ZEIT: Herr Augstein, es ist am 26. Oktober ein Jahr her, daß ein Polizeikordon das Hamburger Pressehaus umstellte und die berühmte SPIEGEL-Affäre ihren Anfang nahm. Wer ist damals welcher Dinge beschuldigt worden? Was ist davon übriggeblieben?

AUGSTEIN: Es waren elf Beschuldigte. Gegen sechs ist die gerichtliche Voruntersuchung beantragt und demgemäß auch eröffnet worden. Diese sechs sind der Oberst Martin, die Redakteure Ahlers und Schmelz, der Konsul Conrad, der Rechtsanwalt Augstein und ich. Die übrigen sind in der Terminologie der Bundesanwaltschaft „Nebenbeteiligte“.

Wir sind des Landesverrats beschuldigt worden, und die Voruntersuchungen laufen unter dem Vorwurf des Landesverrates.

ZEIT: Wie steht es mit der Bestechung, von der ja damals auch die Rede war?

AUGSTEIN: Die Haftbefehle sind nicht wegen Bestechung erlassen worden. Die Bestechung spielte nur eine Rolle in dem Durchsuchungsbefehl. In dem Durchsuchungsbefehl war aus der Lebenserfahrung gefolgert worden, daß der Beschuldigte, Augstein, vermutlich die inkriminierten Informationen dadurch erhalten hat, daß er Angehörige der bewaffneten Macht durch Geldgeschenke, oder andere Zuwendungen bestochen hat.

ZEIT: Ist dieser sehr gravierende Vorwurf später irgendwie noch einmal wiederaufgetaucht, etwa in den Verhören?

AUGSTEIN: Er ist in der Voruntersuchung nie wiederaufgetaucht. Er hatte ja auch seine Schuldigkeit getan, denn die Durchsuchung der Buchhaltung wäre sonst nicht zu rechtfertigen gewesen.