Seit 1956 wirbeln die Kriegstrommeln im Streit um die Kakaobohne. Produzenten und Abnehmer von Rohkakao glaubten sich wechselweise durch den anderen auf dem internationalen Markt übervorteilt. Die starke Fluktuation der Preise in der Nachkriegszeit schürte dieses Mißtrauen noch. Daher wurde nach Genf eine Kakaokonferenz einberufen, auf der Delegierte und Beobachter aus 40 Ländern, unter anderem der Bundesrepublik, an einem Kakaoabkommen basteln werden. In diesem Abkommen sollen obere und untere Preisgrenzen festgelegt und die Produktion kontrolliert werden, und ein neu geschaffener „Kakaorat“ soll die Einhaltung des „Kartells“ überwachen. Durch diese Maßnahmen will man den Streit zwischen Produzenten und Abnehmern endgültig beilegen.

Unstimmigkeiten tauchen zwischen beiden Seiten immer wieder auf, weil seit der Jahrhundertwende die Kakaoproduktion ständig zugenommen hat. Während sie 1900 etwa 100 000 Tonnen betrug, überschritt sie 1960 erstmals die Millionen-Grenze. Diese Entwicklung ist vor allem auf die Entstehung neuer Plantagen in Westafrika zurückzuführen, mit der sich das Schwergewicht der Kakaoproduktion Lateinamerika nach Afrika verlagerte. Ghana, Nigeria, die Elfenbeinküste und Kamerun haben während der letzten Jahre bereits fast zwei Drittel der Weltproduktion geliefert, Brasilien, Ekuador und die Dominikanische Republik, die früher führend waren, dagegen nur noch 22 %.

Obwohl Kakao im Vergleich zu anderen Agrarprodükten auf dem Weltmarkt umsatzmäßig keine große Rolle spielt, ist er für die Produktionsländer von entscheidender Bedeutung. In Ghana und dem Westen Nigerias macht die Kakaoproduktion etwa 30 % der gesamten nationalen Erzeugung aus. In anderen Ländern beträgt ihr Wert zwischen 20 und 60 %. Kein Wunder, daß die Einkünfte aus dem Export von Rohkakao daher einen wichtigen Platz im Staatshaushalt einnehmen.

Zur Zeit sind die Erzeugerländer, die mit höheren Preisen gerechnet hatten, von den niedrigen Preisen, die derzeit für Rohkakao gezahlt werden, enttäuscht. Kakao ist, wie kaum ein anderes landwirtschaftliches Produkt, starken Preisschwankungen unterworfen. Innerhalb eines Jahres fallen oder steigen die Erlöse nicht selten um 25 Prozent. Nur Zucker unterlag in den letzten Jahren ähnlichen Schwankungen.

Der erhebliche Nachfragestau hatte die Kakaoproduzenten nach dem zweiten Weltkrieg zu erheblichen Investitionen veranlaßt. Die Nachfrage war sprunghaft gestiegen, weil die Bevölkerung Europas einen „Hunger“ nach Kakaoprodukten hatte. Da die Vorratsläger durch den Krieg erschöpft waren, konnten die Produktionsländer den Bedarf kaum befriedigen. Dadurch zogen die Preise auf dem Weltmarkt an. Im Jahre 1954 erreichten sie einen Höhepunkt, der natürlich auch das Endprodukt verteuerte.

Mag sein, daß diese günstige Entwicklung die Kakaoproduzenten zu Fehlinvestitionen verleitet hat. Jedenfalls wurden beträchtliche Neuanpflanzungen vorgenommen und die Erträge durch die Anschaffung besserer Maschinen erheblich gesteigert. Auch die Bekämpfung von Schädlingen, gegen die Kakaobäume besonders anfällig sind, wurde intensiviert.

Die Folge war, daß dem vermehrten Angebot plötzlich eine geringere Nachfrage gegenüberstand. Die Preise für Rohkakao fielen deshalb ständig. Im Jahre 1962 erreichten sie einen Tiefstand. Die Produktionsländer erhielten pro Tonne nur noch 40 % der 1954 gezahlten Summe. Im laufenden Jahr zeigen sich wieder Hoffnungsschimmer Angebot und Nachfrage haben sich eingespielt, und es wird erwartet, daß der Verbrauch die Produktion leicht übersteigt.