BERLIN (Theater am Schiffbauerdamm):

„Messingkauf“ von Bertolt Brecht

Als Brecht am „Leben des Galilei“ arbeitete, schrieb er als „Übungsstücke für Schauspieler“ diese „Nächtlichen Gespräche über eine neue Art Theater zu spielen“. Die Fragmente sollen zum erstenmal im fünften Band der siebenbändigen Ausgabe von Brechts „Schriften zum Theater“ publiziert werden. Jetzt haben die Regisseure des „Berliner Ensembles“ die „Uraufführung eines Stückes, das es eigentlich gar nicht gibt“, inszeniert. Rolf Michaelis, der darüber in der Stuttgarter Zeitung ausführlich berichtet hat, stellt zusammenfassend fest: „Die Schikanen der deutschen Grenztragödie (am Bahnhof Friedrichstraße) werden ausgerechnet in Ostberlin belohnt durch eine der besten, interessantesten, vergnüglichsten und dabei geistig anspruchsvollsten Theateraufführungen, die man zur Zeit von einer deutschen Bühne sehen kann.“ Die meisten Gespräche werden zwischen einem Philosophen, einem Dramaturgen, einem Schauspieler und einer Schauspielerin geführt. Zeit: dreißiger Jahre; Ort: eine Bühne, nachdem der Vorhang über der letzten Szene des „Hamlet“ gefallen ist. „In den fünf Gesprächen greift dann der Philosoph die Theaterleute an.“ Seine Forderungen an das Theater werden bezeichnet von Überschriften wie „Abbau der Illusion und der Einfühlung“, „Gesellschaft und Kunst“, „Was ist Verfremdung?“. „Aus der Kritik am Theater wird selbst wieder Theater...“ Im Schiffbauerdamm-Theater „riß Brechts philosophischer Zirkus das Publikum... zu Ovationen hin, wie sie sonst nur Reißer erhalten.“

BREMEN (Kammerspiele):

„Was ist an Tolen so sexy?“ von Ann Jellicoe

„Die junge englische Autorin hat ihr Generationsporträt mit saftigen Gags aufgepulvert, um es als Theaterstück verkaufen zu können“, schreibt Die Welt über die deutsche Erstaufführung dieses Lustspiels. „Drei junge Männer – diskutieren ihre sexuellen Erfahrungen und Wünsche mit einer Offenheit, an der Kinseys Ruhm zuschanden werden muß.“ Ein junges Mädchen „führt die selbstherrlichen Thesen der Jünglinge von der Verführbarkeit jeder Frau durch die eine oder andere, exakt beschriebene Masche ad absurdum.“ In Bremen reagierte das Premierenpublikum „mit glucksendem Gelächter, angenehm schockierten Quietschern und fröhlichem Applaus... Die Leute lachten ferner, weil ihnen Regisseur Peter Zadek... eine regelrechte Turnstunde auf der winzigen Kammerspielbühne vorführt ... Perfekter Zirkus – aber Zirkus an sich ist nicht komisch.“ Überhaupt, bemerkt der Welt-Korrespondent, sei „der Lacherfolg des Stückes mit Mitteln erschlichen, die auf dem Theater nicht eigentlich zu Hause sind“.

KASSEL (Staatstheater):