An der Kölner Universität lehrt Professor Dr. Berthold Rubin, seit 1960 ordentlicher Professor für Byzantinistik. Der Experte für oströmische Geschichte hat eine Schwäche für deutsche Zeitgeschichte und für Politik. Der politische Publizist und Sonntagsredner Rubin haßt sie alle, die Rosa-roten, die Siegermächte, die Kommunisten sowie die „drei Lizenzparteien, die in Wirklichkeit eine sind...“

Die „Freiheitsstatue made in Germany“ erinnert ihn „an das Konstruktionsprinzip gewisser Damen, deren Körperbau schon Homer der staunenden Nachwelt überliefert hat – oben hui und unten pfui“. Er bedauert „das heute praktisch bestehende Verbot aller Rechtsparteien, das die schon in den zwanziger Jahren nicht ungefährliche Koalition von Zentrum und SPD verewigt“. So macht er sehr deutlich, wes Geistes Kind seine Rechtspartei“ sein sollte.

Die Schuld am Zweiten Weltkrieg gibt der Zeitgeschichtler Rubin dem Komplott der Feinde Deutschlands. Und die Verbrechen der Nationalsozialisten sind für ihn die psychologische Erklärung für die „millionenfach größeren Verbrechen, die 1945 an der Tagesordnung waren“.

Es wäre gewiß nicht schwer, in den Artikeln und Reden des Kölner Professors eine Verächtlichmachung und Beleidigung der Bundesrepublik und ihrer demokratischen Institutionen, eine gegen die freiheitliche Ordnung gerichtete Grundtendenz zu finden.

In Hamburg steht der Kommunist Ernst Aust als Herausgeber der pro-kommunistischen Zeitschrift Blinkfüer wegen dieser Delikte vor dem Richter. Aust haßt das „System“ der Bundesrepublik wohl aus ebenso tiefem Herzen wie Rubin. Nur – dem Kommunisten Aust tut man die unverdiente Ehre an, in seinen Publikationen eine Bedrohung der freiheitlichen Ordnung“ zu sehen.

Rubin dagegen muß sich darüber beklagen, daß er sich in der Bundesrepublik wie in einer „weichgepolsterten Gummizelle“ fühle, was mehr auf die Nerven gehe als der Aufenthalt in einer Gefängniszelle.

In der Tat – es gibt keinen idealeren Verwahrungsort für politische Extremisten als die „weichgepolsterte Gummizelle“ einer demokratischen Gesellschaft. Deswegen sollte man den Professor weiter byzantinische Geschichte lesen und politische Pamphlete in nationalistischen Blättchen schreiben lassen. Aber auch den Kommunisten Irnst Aust sollte man an den Gummiwänden, die die Demokratie um die politischen Extremisten baut, verzweifeln lassen und ihn nicht hinter Gefängnismauern zum Märtyrer machen.

Die Extremisten von links und rechts verdienen nicht zweierlei Maß; denn sie haben in der Bundesrepublik zur Zeit gleich wenig Resonanz, die Lage ist für beide gleich hoffnungslos. K. H.