Der Plan einer amerikanischen Super-Fluggesellschaft ist geplatzt – vorläufig jedenfalls. Die Part American World Airways (PanAm) und die Trans World Airline (TWA) haben das im vergangenen Dezember geschlossene Fusionsabkommen wieder gelöst.

Was immer dahintersteckt, die Annullierung des Abkommens war noch nicht perfekt, schon waren sie wieder feindliche Brüder, die sich erbittert in die Haare gerieten. Streitobjekt: das geplante amerikanische Überschallflugzeug. Kaum wurde bekannt, daß die TWA 0,6 Millionen Dollar bei der amerikanischen Luftfahrtbehörde hinterlegt hat, um sich das Anrecht auf sechs Flugzeuge zu sichern, schickte PanAm der Federal Aviation Agency einen Scheck über 1,5 Millionen Dollar als Anzahlung auf 15 Maschinen.

Das alles sind allerdings Konkurrenzkämpfe im luftleeren Raum, denn noch weiß niemand, ob, wann und von wem ein amerikanisches Überschallflugzeug gebaut werden wird. Drei große Firmen – Convair, Douglas und McDonnel – haben schon gesagt, daß sie sich nicht um diese Aufgabe bewerben wollen, zu der der Staat 75 % der Entwicklungskosten zuschießen will. Und es wird noch rund ein Jahr dauern, bis sich die Vorstellungen der drei anderen Großen der amerikanischen Flugzeugindustrie – Boeing, Lockheed und North American – zu einem staatlich unterstützten Projekt verdichten.

Was eigentlich wollen die Amerikaner bauen? Ein Flugzeug, das wie die britisch-französische Concord mit Mach 2,2, also mit etwas mehr als doppelter Schallgeschwindigkeit, fliegt oder eines mit dreifacher Schallgeschwindigkeit? Eine Maschine aus Aluminium oder aus Stahl? Wird der amerikanische Flugzeugindustrielle recht behalten, der jüngst behauptete, daß die Concord bereits an dem Tag veraltet sein werde, an dem sie zum erstenmal fliegt? Das wäre, wenn alles gutgeht, so in etwa fünf Jahren.

Trotzdem – um sich die Spitze im Überschall-Rennen zu sichern, hatte die PanAm bereits sechs Concord-Flugzeuge bestellt. Für weitere vier ist jetzt die Order aus Amerika gekommen, von den American Airlines. Zusammen mit den für die Air France und die BOAC reservierten Maschinen sind das dann 22 Aufträge. Die meisten Fluggesellschaften warten noch ab – nicht etwa, weil sie den Überschall-Flugverkehr für Unsinn halten, sondern um erst einmal zu sehen, was denn die Amerikaner zu bieten haben werden.

H. M.