Die Wege der Mode sind nicht so unerforschlich, wie allgemein angenommen wird. Es ist zwar eine schon etwas abgedroschene Binsenwahrheit, sie spiegelten den „Zeitgeist“ wieder. Auf jeden Fall verkörpert sie eine gewisse Kontinuität. Bei modischen Neuerscheinungen zeigt es sich immer wieder, daß die eine sich aus der anderen entwickelt, also sehr wohl erforschliche Wege. Man muß es aber den Entwerfern verzeihen, daß sie das Neue um der Neuigkeit willen herausstellen. Häufig genug ist ein Treffer darunter. Man kann es sich auch nicht leisten, etwas anzubieten, das nachher einfach nicht „ankommt“. Nolens volens muß der Couturier sich nach den Bedürfnissen der Frau richten und ihr das servieren, was modisch, ästhetisch und vor allem praktisch ist.

Ein solches Produkt, aus Phantasie und Einfühlung geboren, sind die federleichten, lustig bedruckten oder auch einfarbigen „Pettipants“ aus Nylon, die, wie der Name verrät, entfernte Verwandte der seligen Petticoats sind. Diese – gesteift, gedrahtet, gestärkt und spitzenbeschichtet – waren zur Zeit des Bouffant-Röckchens große Mode: Man konnte ohne sie nicht auskommen. Mit dem Aussterben des Bouffant-Rocks, dessen „abstehender“ Charakter ihn in der U-Bahn und im Bus zum Verkehrshindernis machte, wurde auch der an überbetonten Aufblähungen leidende Unterrock zu Grabe getragen. An seine Stelle trat der schmale, die Figur modellierende Petticoat, sozusagen als Laune eines Modetrends, der kein „auftragendes Darunter“ duldet.

Inzwischen wanderte die Mode unbekümmert ein Stückchen weiter. Dekolletés sind breiter und tiefer geworden und haben sich zu ausgesprochenen Feinden von „Trägern“ entwickelt. Dies kam dem Petticoat, der in dem taillentiefen Büstenhalter seine Ergänzung findet, natürlich zugute. Das letzte Problem bildete nun noch das Chassis, das nur noch aus Pants und Petticoats bestand. Heute heißt das Leitmotiv bei der Wahl des Drum und Dran, das sich unter dem Kleid verbirgt, „je weniger, desto besser“. Geschmeidigkeit und Schlankheit gehören zu der modernen Silhouette, und wie jedermann weiß, wird die Figur nicht nur von Vorsehung und Diät, sondern auch von dem geformt, was, für die Mitwelt unsichtbar, „darunter“ getragen wird.

„Aus Zwei mach Eins“, dieses wohlbekannte Motto, das uns in Krisenzeiten mahnt, aus zwei schönen, alten Kleidern ein neues und häßliches zu machen, ist jetzt in anderer Auslegung zur Richtschnur geworden. So entstanden also die Pettipants mit ihrem geduldigen Gummizug in der Taille und den langen, etwas fülligen Beinen. Ohne sich auftragend bemerkbar zu machen, sorgen sie dafür, daß Rock oder Kleid nicht unangenehm „kleben“ und daß der Körperumfang auf ein Minimum, das sich nun einmal nicht umgehen läßt, reduziert wird. Vielleicht könnte man es ein sympathisches Plus nennen, daß sie nicht beabsichtigen, der vorhandenen Wäscheaussteuer den Garaus zu machen. Sie wollen nur Ergänzung sein, ein kleines Extra, das bescheiden und im Verborgenen unter dem Bleistift-Rock oder dem kleinen Schwarzen sein Dasein fristet, und das jener oft nicht erfüllten Forderung des „zwanglosen Komforts“ entgegenkommt, ohne den es keine wahre Eleganz gibt.

Katharina Elisabeth Russell