Ein Engländer berichtet über die Schlacht bei Verdun

Alistair Horne: „The price of glory“, Macmillan and Co, London W. C. 2 (St. Martin’s Street), 372 S., 35 Shilling.

Dies ist ein genauer, ausführlicher, unbefangener und darum aufregender Bericht über die unheimlichste aller Schlachten, die je geschlagen wurde. Home hat alles gedruckte Material über Verdun studiert und sich dazu noch mit soviel Überlebenden besprochen, wie er zu Unterhaltungen darüber gewinnen konnte. Er hat einen klaren Blick für die militärisch-technischen Fragen, aber auch für die Taten und die Leiden der handelnden Menschen. Von den Generälen und ihren Stäben erzählt er ebenso unparteiisch wie von den armen Hunden, von tapferen, stürmenden, siegreichen, zerschossenen, verblutenden Frontkämpfern in ihrem Dreck und ihrem Jammer.

Das Streben nach Gerechtigkeit ist auf sympathische Weise zu spüren. Zwar scheint es dem Rezensenten, als neige Home stärker zu den Franzosen als zu den Deutschen; aber wer will das einem Manne übelnehmen, dessen Land zweimal der Bundesgenosse Frankreichs war? Jedenfalls stört die Sympathie Hornes für Frankreich nie, dazu ist seine Objektivität zu groß, er wird den ungeheuren Leistungen der Deutschen gerecht.

Falkenhayns seelenlose Strategie

Daß er auch ihre Irrtümer, vor allem die Fehlschätzungen der Obersten Heeresleitung, nicht verschweigt, gehört zu dieser Objektivität. Gerade aus der Sachlichkeit dieses Berichtes über eine der großen Tragödien des neuzeitlichen Europas rührt die erschütternde Wirkung.

Home entwickelt keine umwälzende und neue Theorie über den Verlauf und die Wirkungen der Schlacht, aber er zieht die Linien des Geschehens deutlicher nach, als es bisher geschehen war. Der General von Falkenhayn war ein bedeutender Kopf und erkannte die Begrenztheit der deutschen Möglichkeiten, aber er übertrieb die für einen Feldherrn notwendige Kühle der Berechnung in verhängnisvollem Maße, und seine Strategie wurde seelenlos und unbarmherzig. Er wollte Verdun gar nicht eigentlich nehmen, weil er die deutschen Streitkräfte für zu schwach dafür hielt. Genaugenommen: er dachte auch an die Möglichkeit, die Festung zu erobern, aber er dachte daran nur mit halbem Herzen. Er wollte die Franzosen zwingen, sich bei Verdun mit ihren besten Kräften an den Boden zu krallen, er wollte sie dann unter flankierendes Feuer nehmen, ihr Heer zum Ausbluten bringen und sie auf diese Weise friedenswillig machen. Für einen entscheidenden Stoß auf die Festung stellte er nicht genug Reserven bereit, weil er einen Entlastungsangriff der Engländer fürchtete.