Von Uwe Nettelbeck

Das kommende Jahr bringt für die Kurzfilmtage in Oberhausen das zehnjährige Jubiläum, die Internationale Filmwoche von Mannheim wird zum dreizehnten Male stattfinden. Eine Konkurrenz zwischen beiden Veranstaltungen gibt es nicht mehr, sie ist zugunsten Oberhausens entschieden, die XII. Internationale Filmwoche hat es wieder gezeigt.

Das müßte nicht so sein, auf dem Papier klingt es anders. Mannheim vergibt seinen großen Preis an den ersten abendfüllenden Spielfilm eines Kurzfilmregisseurs und läßt neben kurzen auch lange Dokumentarfilme zu, Regelungen, mit denen: Mannheim Oberhausen und Berlin zugleich Konkurrenz machen könnte. Daß dies nicht geschieht, liegt an der Auswahl der Wettbewerbsfilme. Man sitzt in Mannheim immer noch einem vagen Begriff von Kulturfilm auf, das erweist die sinnlose Rubrizierung, die man in diesem Jahr geschaffen hat.

Da gibt es nebeneinander folgende Gruppen: 1. soziale Dokumentation, 2. zeitgeschichtliche Dokumentation, 3. länder- und völkerkundliche Dokumentation, 4. kulturelle Dokumentation, 5. Zeichentrick- und Puppenfilme und 6. die Debütfilmrubrik. Das spricht gegen sich selbst.

Die Tendenz, Unvergleichbares willkürlich zu stapeln, verdarb die Zusammenstellung der einzelnen Programme. In Oberhausen versteht man es, jedem ausgewählten Film ein gewisses Interesse zu sichern. Die Einteilung in Länderprogramme rechtfertigt es viel eher, auch einmal einen schlechten, aber aufschlußreichen Film mitzuzeigen. Das wilde Durcheinander in Mannheim postuliert einen Anspruch, der nicht eingelöst werden kann. So entsteht ein circulus vitiosus: Das Mannheimer Programm ist schlecht, immer mehr Produktionen reservieren ihre Filme für Oberhausen, Mannheim wird noch schlechter. Will die Internationale Filmwoche etwas anderes bleiben oder wieder werden als das letzte Festival des Jahres, das sich nach den Resten umsehen muß, so wird zunächst eine strenge und klare Auswahl notwendig und eine Besinnung auf die Möglichkeiten der eignen Statuten, um Mannheim wieder Gewicht zu geben und damit attraktiv zu machen.

Das diesjährige Programm verbietet, viele Filme aufzuzählen, man würde lediglich Mischmasch reproduzieren.

„Der Topf“ von Peter Schamoni und Vlado Kristl war eine hirn- und geschmacklose Pantomime, die sich viel vorgenommen hatte. Nichts anderes nämlich als die Darstellung des Massenwahns faschistischer Prägung, Es gab eine geführte Meute und einen verfolgten Individualisten. Die Meute trappelte sich auf die Hacken, der Individualist zog einen Blechtopf hinter sich her. Arme flogen hoch, Reden wurden geschwungen, Tote gab’s und Marschmusik, aber das Gemeinte war nicht begriffen und nicht dargestellt, die formale Ambition nur peinlich.