Bediente, die keinen Herrn haben, sind darum doch keine freien Menschen – die Dienstbarkeit ist ihre Seele. Heinrich Heine

Die Mannheimer Filmpreise

Den großen Preis für den besten Erstlingsspielfilm eines Kurzfilmregisseurs bekam Vera Chytilova aus der Tchechoslowakei für ihren Film „O necem jinem“ (Von etwas anderem). Die Filmdukaten erhielten der Dokumentarfilm „Italia Proibita“ (Verbotenes Italien), „Mourir à Madrid“ (Sterben in Madrid, s. Seite 16), „Route sans sillage“ (Straße ohne Spur), Chris Markers Photoroman „La jet£e“ (Die Mole), der kanadische Film „The most“ und der Kollagen-Film „Summit“ aus Amerika. Wolfgang Rüttners Reportage über Obersalzberg „Es muß ein Stück von Hitler sein“ erhielt einen Geldpreis, ebenso der amerikanische Spielfilm „Legacy“. Den Preis für den besten Kurzfilm des Jahres erhielt Dusan Vukotic für „Das Spiel“, eine unglückliche Entscheidung, denn Roman Polanskis genialer und unvergleichlicher Film „Säugetiere“ stand ebenfalls zur Debatte.

Kurt Wolff

Wieder verlor, die deutsche Literatur einen ihrer großen alten Männer: In Ludwigsburg verunglückte, sechsundsiebzig Jahre alt, der Verleger Kurt Wolff tödlich. Mit Ernst Rowohlt zusammen und dann in seinem eigenen Verlag hatte er seit 1908 den Expressionisten ein Publikum verschafft; 1931 verließ er Deutschland und baute in Amerika den Verlag Pantheon Books auf. In der nächsten Ausgabe werden wir seine Arbeit ausführlicher würdigen.

Selbstkritik

Der französische Verlag „La Table Rondo“ hat eine neue Methode ersonnen, um der Flut der täglich eingehenden Manuskripte Herr zu werden: Er lehnt es ab, freiwillige Einsendungen überhaupt noch zu begutachten, und verschickt an die unerwünschten Autoren folgendes Schreiben: „Die Vielzahl der Manuskripte, die wir bekommen, ihre meist nur mittelmäßige Qualität, der drohende Ton, in welchem ihre Verfasser Antwort verlangen, Arbeiten und Kosten, die durch Lesen und Zurückschicken der Manuskripte entstehen, haben uns zu dieser Entscheidung gezwungen – wirklich, wenn die Franzosen weniger schreiben wollten, würden sie vielleicht mehr lesen. Wir wünschen sehr, daß sie weniger schreiben!“ Dieses Rundschreiben, von einem empörten Verfasser in einer Zeitschrift veröffentlicht, hatte bis jetzt zur Folge, daß der Verlag mehr Manuskripte als je zuvor erhielt. In den Begleitschreiben steht: „Ich habe viel gelesen und halte meine Werke nicht für mittelmäßig.“