WIESBADEN (Staatstheater):

Millers „Hexenjagd“ als Oper

Der 46jährige amerikanische Komponist Robert Ward hat diese Veroperung eines Schauspiels von Arthur Miller – des zweiten nach Renzo Rosselinis „Blick von der Brücke“, vor Jahresfrist in Frankfurt gezeigt – im Auftrag der New York City Opera geschrieben. Die Ford-Stiftung half materiell. Nach der Uraufführung in New York (1961) wurde Ward 1962 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. In Wiesbaden hingegen stieß die deutsche Erstaufführung auf scharf ablehnende Kritik. In der Deutschen Zeitung stellt Heinrich Lindlar die „Hexenjagd“-Oper in eine Reihe mit der bei den Salzburger Festspielen unrühmlich bekanntgewordenen „Vanessa“ von Barber-Menotti. In der FAZ nennt Ernst Thomas Wards Opus „eine Moritat im Stil der Jahrhundertwende ..., an dem eigentlichen Gehalt des Millerschen Dramas vorbeikomponiert“. Der Wiesbadener Aufführung, die „vom Komponisten mit aller Verve dirigiert“ wurde, bestätigt Thomas eine „durchweg respektable Ensembleleistung“, Lindlar eine „ungemein selbstsichere, neoveristisch gesetzte Inszene von Wolfgang Blum und dem Bühnenausstatter Fr. Schultes“.

NÜRNBERG-FÜRTH (Städtische Bühnen)

BERLIN (Tribüne):

„Die Fahrt nach Abendsee“ von Felix Lützkendorf

Eine Uraufführung. Der Autor war 1932 mit dem Schillerpreis ausgezeichnet worden, schrieb dann aber Drehbücher für den Film, Illustriertenromane und Hörspiele. Seine späteren Bühnenstücke hatten weniger Glück. „Die Fahrt nach Abendsee“ nun wurde jüngst beim Dramenwettbewerb der Münchner Kammerspiele mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Es handelt sich um ein Pseudotraumspiel. Der Schriftsteller Dr. Wolfram soll bei einem vorsätzlich herbeigeführten Autounfall seine Frau getötet haben, um eine junge Geliebte heiraten zu können. Von der Einlieferung in die Untersuchungshaft bis zur Verurteilung werden alle Szenen real vorgeführt. Allerdings spielen dieselben Schauspieler mehrere, sogar gegensätzliche Rollen. In einer kurzen Schlußszene erst enthüllt sich das Ganze als Traum vor dem erwogenen Mord. „Traumspiele, die ihre Scheinrealität nicht von vornherein zu erkennen geben, sollten verboten sein“, heißt es im Berliner Tagesspiegel. Und in der Welt: „So darf man sein Publikum nicht foppen.“ „Theatralisch ist das simpel... Es bekommt nie jenen Zug ins überraschend Absurde, den der Autor so mühsam erstrebt.“ FAZ: „Das alles in einer Sprache, die noch nicht einmal die oberste Schicht der Realität durchbricht.“ Aus Nürnberg meldet die Stuttgarter Zeitung trotzdem „Spannung und wirkungsvolle Rollen“ (Inszenierung: Hesso Huber). In der Berliner „Tribüne“ inszenierte der Hausherr Frank Lothar das Stück als erstes im Rahmen eines „zweiten Programms“. Friedrich Luft: „So dürrer Text ist furchtbar schwer zu sprechen ... Ein schlechtes Stück.“