Von Walther Weber

Die Heimlichkeit, mit der die Prüfungsgesellschaft umfirmiert hat und die darin liegende Täuschung der Aktionäre und der Verwaltung hat das Vertrauen in den Abschlußprüfer zutiefst erschüttert. Anstatt der Verwaltung davon Kenntnis zu geben, hat man versucht, uns einen Prüfungsbericht von einer Gesellschaft zu unterschieben, die wir nicht kennen. Das ist ein schwerer Vertrauensbruch, der den Widerruf der Wahl des Prüfers zu einem zwingenden Gebot macht.“

Das war die Quintessenz einer langen, umständlich formulierten Erklärung, die der Aufsichtsratsvorsitzende der Düsseldorfer Baugesellschaft Boswau & Knauer AG am Dienstag vergangener Woche auf der außerordentlichen Hauptversammlung verlas. Verdutzt schauten die fast 200 Aktionäre im überfüllten Saal des Industrie-Clubs der Rheinmetropole drein. In Ehren ergraute Wirtschaftsprüfer, die eigens für diesen ersten öffentlichen Streit zwischen Verwaltung und Abschlußprüfer eine Aktie erworben hatten, schüttelten die Köpfe. Sie hatten erfahren wollen, warum sich die Auffassungen von Vorstand und Wirtschaftsprüfer über Bewertungsfragen nicht auf einen Nenner bringen ließen (Vgl. ZEIT Nr. 45).

Und jetzt diese juristischen Argumente, um den nun unbequemen Prüfer, dem man zwei Jahre das Vertrauen geschenkt hatte, loszuwerden? So sehr die anwesenden Aktionäre auch die Verhaltensweise des Prüfers befremden mochte, zufrieden gaben sie sich mit der Begründung nicht. Einige unter ihnen beschuldigten die Verwaltung, Formfehler als Vorwand zu benutzen und die Kernfrage zu vertuschen. Nur mit Mühe war der Vorstand zu bewegen, vor der Abstimmung zuzugeben, daß überhaupt Differenzen mit dem Prüfer über Bewertungsfragen bestanden. Mehr zu sagen verbiete das Schiedsgerichtsverfahren, das wegen des zu „hohen Kaufpreises“ der Simon Baugesellschaft mbH., Köln, von Boswau & Knauer in Gang gebracht worden sei, erklärte Dr. Hänchen.

Das Schiedsgerichtsverfahren als Alibi, um die Aktionäre im Unklaren lassen zu können? Welch ein Argument gegenüber den Kleinaktionären, während der Großaktionär – durch Münch als Vorsitzenden des Aufsichtsrates vertreten – über alle Interna unterrichtet war und selbst die Presse später mehr erfuhr. Welche Begründung für ein Schiedsgerichtsverfahren, in dem es dem Käufer doch nur recht sein kann, wenn Abschreibungen auf die erworbene Beteiligung für erforderlich gehalten werden!

Denn offensichtlich hat Boswau & Knauer die Artur Simon Baugesellschaft GmbH, um deren Bewertung der Streit geht, mit 3 Millionen DM oder 300 Prozent des Nennwerts vom Stammkapital doch zu teuer eingekauft. Sonst wäre die Äußerung des kaufmännischen Vorstandsmitglieds, „Beim Erwerb der Beteiligung hatten wir nicht die Zahlenwerte vorgefunden, die wir erwarten konnten“, kaum zu verstehen.

Anscheinend zeigten sich, nachdem die Buchführung aufgearbeitet worden war, recht beträchtliche Verluste und damit auch ein geringerer Substanzwert. Darüber enttäuscht und / oder getäuscht, erwirkte der Vorstand ein Schiedsgerichtsverfahren mit dem Ziel, nachträglich eine Ermäßigung des Kaufpreises zu erreichen. Die Aussichten dafür beurteilt der Vorstand günstig. Deshalb glaubt er auch, auf eine Abschreibung verzichten zu können, zumal der Substanzwert der Beteiligung seiner Ansicht nach noch über dem Kaufpreis liege.