Das zur Oetker-Gruppe gehörende Bankhaus Hermann Lampe, Bielefeld, zur Zeit in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft geführt, soll mit Jahresbeginn 1964 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Da Lampe nicht nur Bankgeschäfte betreibt, sondern darüber hinaus auch als Holding-Gesellschaft für wichtige Oetker-Interessen fungiert, wird die Öffentlichkeit künftig also einen Teileinblick in die sonst nicht gerade sehr publizitätsfreudige Oetker-Gruppe bekommen. Lampe besitzt 38 Prozent des Stammkapitals der Bank für Brauindustrie (von dem insgesamt 88 Prozent im Besitz der Oetker-Gruppe sind – Aktienkapital 12 Millionen DM) und 25 Prozent der Vereinigte Bausparkassen AG, Hannover/Bielefeld, deren Kapital von 2 auf 3 Millionen DM erhöht werden soll. Außerdem gehören zum Interessenbereich des Bankhauses Lampe das Bankgeschäft Erich Sültz und die TZ-Teilzahlungsbank Hamburg.

Die Pläne, die Gesellschaftsform der Lampe-Bank zu ändern, sind nicht neuerer Natur; sie können deshalb auch nicht mit den jüngsten Schwierigkeiten innerhalb des deutschen Bankenapparates in Zusammenhang gebracht werden. Bankier Horst Herold, der nach dem Tode des 1961 verstorbenen Hugo Ratzmann bei Lampe zwei Jahre lang alleiniger Komplementär war und der mit dem 31. Dezember aus der Gesellschaft ausscheiden wird, läßt in einer Erklärung wenigstens einen Teil der Gründe erkennen, die Rudolf A. Oetker bewogen haben mögen, der Lampe-Bank den Status einer Aktiengesellschaft (das Aktienkapital soll 20 Millionen DM betragen) zu geben. Nach Herolds Aussage vertritt die Deutsche Bundesbank seit Anfang 1963 die Auffassung, daß die Bank zur Oetker-Gruppe gehört und infolge ihrer Eingliederung als Konzernbank zu führen ist. „Diese Auffassung, deren Änderung nicht zu erreichen war, hat zur Folge, daß Herr Oetker auch bei der Konzernbank die Rechte eines persönlich haftenden Gesellschafters wahrnehmen will und daß Herr Herold nicht mehr die Selbständigkeit und Unabhängigkeit gewährt sieht, welche Voraussetzung für seinen Eintritt waren“, heißt es wörtlich in einer Darstellung des Bankhauses Lampe.

Künftig werden bei der Lampe-Bank die Kompetenzen klar abgegrenzt sein. Das Aktienkapital wird zu 90 Prozent von der Oetker-Gruppe übernommen, weitere Aktionäre werden die bisherigen Kommanditisten C. A. Delius & Söhne und die Reese GmbH sein. Die Aufnahme neuer Aktionäre ist zur Zeit nicht vorgesehen. Bei der neuen Bank wird Rudolf August Oetker den Aufsichtsratvorsitz übernehmen. Er muß jetzt Vorstandsmitglieder finden, die sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen den Weisungen des Großaktionärs zu fügen haben werden. Nur für eine Übergangszeit wird Oetker als persönlich haftender Gesellschafter in die KG eintreten. -dt.