Schlechtes Wetter

Das Wetter hat das Mißvergnügen des „Economist“ (Nummer 6278) erregt. Das Blatt legt dar, daß Großbritannien im frühen Mittelalter eine grüne Insel mit angenehmem Klima gewesen sei. Von 1300 bis 1900 hätten dann Kälte und Nebel geherrscht. Um 1900 sei eine Wende zu freundlicherem Wetter eingetreten, so daß Optimisten schon an die Wiederkehr der guten alten frühmittelalterlichen Zeit geglaubt hätten. Aber seit 1940 zeige jedes Jahr ein trüberes und kälteres Gesicht. Das spüre die ganze nördliche Erdhälfte: Chruschtschows Pläne, Neuland zu gewinnen, schlügen deshalb fehl, weil die wärmeren regenreichen Winde jetzt fehlten, die bis 1940 vom Westen nach Sibirien eingeströmt seien. Was sei zu tun? Sachkenner dächten daran, das Eis in der Arktis zu schmelzen. Dann würden die Tundren Sibiriens vielleicht fruchtbare Erde; aber dann würde auch der Regen, der jetzt Südeuropa bewässere, nach Norden ziehen. Aber dann würden auch Teile von Frankreich und Süditalien sozusagen zu einer Sahara. „Wozu der General de Gaulle oder seine Nachfolger ohne Zweifel etwas zu sagen haben würden.“

Für die Massenkultur

Ludwig Marcuse ist entschieden dagegen, daß man dem Volk den Kaviar in den Rachen jage – und zu oft nur Kaviarersatz. Im „Monat“ (Heft 183) macht er sich zum Anwalt der Massenkultur. Sie „ist nicht gefährlich, und die edle veredelt nur die Edlen; beide dringen nur ein bißchen in die innerste Zelle ein, die fast so undurchdringlich ist wie ein Safe. Das Ladenmädchen, angeblich vom Film-Happy-End schwer gefährdet, kennt die facts of life; gerade deshalb läuft sie ins Kino, sie will dem Druck für zwei Stunden entgehen. Sie über die Wirklichkeit zu betrügen, ist nicht möglich“. Mit Feuer verficht Marcuse die Ansicht, daß die Kultur da sei für den, der sie aufnehme, nicht umgekehrt. Nicht die Masse habe die Massenkultur geschaffen. Das habe die Gebildeten-Kultur getan, indem sie dringliche Wünsche nicht berücksichtige: sie verbreite Langeweile. Marcuse endet logischerweise mit einer bestimmten Forderung: „Das einzige, was einen Menschen zu einem Menschen macht, ist, daß er auf sich mehr höre als auf die priesterlichen Stimmen der Zeit.“