Die Berliner feierten in den Weihnachtstagen ihre private Wiedervereinigung. 412 000 Westberliner besuchten bis vergangenen Sonntag ihre Verwandten im Ostteil der Stadt. Die östlichen Grenzwächter begegneten den Besuchern mit ausgesuchter Höflichkeit.

Doch die Mauer war nur nach Osten durchlässig, geworden. Am ersten Weihnachtstag kletterte der 18 Jahre alte Elektrikerlehrling Paul Schultz aus Neubrandenburg zusammen mit einem Freund über die Mauer, um in den Westberliner Bezirk Kreuzberg zu fliehen. Mehrere Schüsse fielen, blutüberströmt stürzte der Junge einem Westberliner Polizisten, in die Arme. Sechs Stunden später starb er.

Der Senat reagierte sofort und ließ eine Besichtigung der Übergangsstellen absagen, zu der ein Beamter nach Ostberlin eingeladen war (zuvor hatte der DDR-Staatssekretär Wendt in Westberlin die Passierscheinstellen besichtigt; Westberliner Polizisten salutierten vor ihm). Bei der nächsten Sachbesprechung mit Wende überbrachte Senatsrat Korbereinen schriftlichen Protest.

Es was das erstemal, daß der Senat unmittelbarund nicht auf dem Umweg über alliierte Instanzen gegen einen Zwischenfall an der Sektorengrenze protestierte. Die USA wurden von sich aus beim wjetbotschafter in Ostberlin vorstellig.Ungeachtet des blutigen Zwischenfalls wurden die Kontakte zwischen Senatsbeauftragten und DDR-Regierungsorganen fortgesetzt. Beide Seiten wollen nach Ablauf der Besuchszeit am 5. Januarüber eine neue Passierscheinregelung verhandeln.

Nicht allerwärts wurden diese Bemühungen um die Verlängerung des Abkommens vom 17. Dezember gebilligt. Ernst Lemmer, ehemals Gesamtdeutscher Minister, kritisierte: „Der Senat verniedlicht den Mord, damit der Ablauf der mühsam in gekommenen Sache nicht gestört