Wird Malta modern? – Ein armes Land hofft auf viele Touristen

Zum erstenmal in ihrer Wechsel vollen und tragischen Geschichte warten die Malteser auf eine freundliche Invasion: auf die der Touristen. Sie sind die Zukunft Maltas, das alle Voraussetzungen besitzt, eines der beliebtesten Touristenzentren im Mittelmeer zu werden: sein ideales Klima (wenig Regen, viel Sonne, ein kühlender Wind selbst in den heißen Sommermonaten und kein richtiger Winter), seine Naturschönheiten, die südlichen Überschwang mit nordischer Herbheit kombinieren, und eine überreiche Fülle von alter Kultur und Geschichte, die die Inseln zu einem lebendigen Museum machen. Der Kunsthistoriker, der Naturliebhaber, der Archäologe, der Wassersportler und der Wanderer, sie alle werden in den maltesischen Schwesterinseln ihr Paradies finden. Noch liegen die beiden Inseln ein wenig abseits vom großen Reisestrom, doch das mindert ihren Reiz nicht im geringsten. Die Engländer haben bisher das Hauptkontingent der Touristen gestellt und mit dem Grandhotel Phönizia – einer etwas überlebten Hochburg viktorianischenglischer Tradition – den Ton angegeben. Aber es gibt bereits eine Anzahl kleinerer, aber recht moderner Hotels, verstreut über die beiden Inseln, in alten Städtchen und landschaftlich besonders reizvollen Buchten, die zum Preis von elf bis zwanzig Mark Tagespension (bei längerem Aufenthalt) bieten.

Höhle mit Stockwerken

Außerhalb der Saison ist es freilich noch nicht ganz einfach, vom Kontinent hierher zu kommen. Die BEA fliegt jeden zweiten Tag auf der Route Rom–Tripolis den Flughafen Lucia auf Malta an. Geplant sind tägliche Flüge sowie ein dichterer Schiffsverkehr mit Catania auf Sizilien.

In Malta selbst gibt es einen ausgezeichneten Autobusdienst, der zu den verschiedenen alten und hochinteressanten kleinen Städten führt. Fast alle haben sie eine besondere kulturelle Überraschung: In Paola ist ein dreistöckiger Höhlentempel von einzigartigem archäologischem Interesse; neben dem Hypogeum sind im benachbarten Tarxien die Ruinen eines Tempels aus der jüngeren Steinzeit zu besichtigen. Beide Kultstätten waren den sogenannten „fetten Göttinnen“ der Fruchtbarkeit geweiht. An ihren Statuetten fällt der Kontrast zwischen den überquellenden Formen der Schenkel und Brüste und den zierlichen, graziösen Händen und Füßen auf. Neben den Steinzeittempeln und der prähistorischen Höhle Ghar Dalam, wo man Knochenreste von Zwergelefanten und Flußpferden entdeckt hat, bietet Malta eine blaue Grotte; sie steht in ihrem Farbenspiel und der Unterwasserflora der von Capri in nichts nach.

In der Mitte der Insel, auf einem Bergrücken, zu dessen Füßen das ganze Eiland wie ein bunter Teppich ausgebreitet ist, liegt Mdina, die alte Hauptstadt aus der arabischen Zeit; sie hat heute nicht ganz tausend Einwohner. Die von hohen Stadtmauern umgebene „schweigende Stadt“ mit ihren Palästen, Kirchen und den engen winkeligen Gassen ist reines Mittelalter. Hier leben die ältesten Angehörigen des maltesischen Adels, zwei unverheiratete Baronessen Inguanez, in einem Barockpalast inmitten einer wertvollen Kunstsammlung. Den ebenso imposanten Renaissance-Palast der Familie kann man mieten.

Die Schwesterstadt Rabat auf dem benachbarten Bergrücken ist nicht ganz so alt, doch sie hat ihre eigene Attraktion aus der Vergangenheit. Es ist die „römische Villa“, ein Museum mit Überbleibseln aus der Römerzeit und einem köstlichen Mosaikfußboden. Hier zeigt man auch die St.-Pauls-Katakomben, unterirdische, frühchristliche Grabstätten. Eine halbe Stunde entfernt liegt die ehemalige Sommerresidenz der Großmeister. Verdala Palace, ein dreistöckiges Wasserschloß, das von einem Hügel aus Buskett Gardens die einzige Waldlandschaft der fast baumlosen Insel, und einen ausgedehnten Orangenhain beherrschend überragt.