Der Sommer 1963 war auch für die Schultheiss-Brauerei AG, Berlin, ein guter Sommer. Nach den vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 1962/63 (30. September) hat sich der Ausstoß um 12,4 (6,6) Prozent auf 1,74 Millionen Hektoliter erhöht. Daran sind die alkoholfreien Getränke mit 215 181 (181 686) Hektoliter beteiligt. Hier machte die Zunahme sogar 18,4 Prozent aus, so daß allein beim Bier eine Ausstoßzunahme von 11,6 Prozent erreicht wurde. Damit liegt Schultheiss nach den Worten seines Generaldirektors Hans Sixtus hinsichtlich des Wachstums in der Spitzengruppe.

Dennoch betreibt Schultheiss seine Expansion mit Bedacht. Natürlich lassen sich auf dem engen Berliner Markt nicht jedes Jahr Bierabsatz-Rekorde erzielen. Mit warmem Wetter steigt zwar der Konsum – das liest man am deutlichsten am Weißbierverbrauch ab – und im Stadtgeschäft hat es auch einen Zuwachs von rund 15 Prozent gegeben. Das weite Feld der Zukunft liegt für Schultheiss aber im Bundesgebiet und im Ausland. Immerhin besteht mit der in eine Betriebsstätte umgewandelten Müser-Brauerei die Möglichkeit des direkten Flaschenbierversandes von einem günstigen westdeutschen Standort, nämlich von Bochum, aus. Tatsächlich hat Schultheiss über Bochum einen Umsatz von 107 000 (80 165) Hektoliter erreicht. Dann sind da noch die beiden anderen westdeutschen Tochtergesellschaften, die Aktienbrauerei Feldschlößchen in Minden und die Dortmunder Bergmann-Brauerei in Dortmund. Und schließlich hat Schultheiss Niederlagen in Hamburg, Bremen und Kiel. eine Vertriebsgesellschaft in Lübeck, und gemeinsam mit der Dortmunder Union-Brauerei wurde jetzt eine weitere Vertriebsgesellschaft in Bückeburg gegründet mit 50 000 DM Kapital, wovon beide Partner je die Hälfte übernahmen.

Am gesamten Ausstoß der Schultheiss-Gruppe hat das westdeutsche Geschäft einen Anteil von 37 Prozent. Das hat sich im letzten Jahr kaum geändert. Hätte man sich nicht von einem Großverleger für den Absatz des Dortmunder-Bergmann-Bieres getrennt, wären die 93 000 Hektoliter Ausstoß erreicht worden, so waren es nur 79 500 Hektoliter. Aber auch der Zuwachs mit 7,3 Prozent ist. noch recht erfreulich. Bei der Aktienbrauerei Feldschlößchen war er mit 4,3 Prozent geringer, weil sich diese Brauerei nicht an der Bierpreissenkung im Mindener Raum beteiligt hat. Schultheiss hat seinen Stolz und glaubt, auch ohne Preissenkung weiterzukommen. Die Expansion soll jedenfalls weder in Berlin noch im Bundesgebiet über den Preis vorangetrieben werden.

Der Sprung nach Lomé in die Hauptstadt Togos hat durch die Ermordung des Ministerpräsidenten Olympio eine Unterbrechung erfahren. Dennoch hofft man, mit dem Bau einer Brauerei bald beginnen zu können. Neben Schultheiss ist die Holsten-Brauerei, Hamburg, daran beteiligt. Etwa 2.6 Millionen DM soll das Projekt kosten mit vorerst 10 000 Hektoliter Kapazität, später 30 000 Hektoliter. Offen ist noch, wer die 30prozentige Beteiligung aus togoländischen Kreisen aufbringen soll. Wahrscheinlich müssen die 150 000 DM mit 25prozentiger Einzahlung. von den Gründern selbst aufgebracht werden.

Ein neues Objekt ist in Italien geplant. Dort wird die Tochtergesellschaft Haase-Brauerei GmbH., Hamburg, gemeinsam mit einigen Kölner Brauereibesitzern eine 20 000-Hektoliter-Brauerei errichten für etwa 3 Millionen DM Baukosten.

Das Exportgeschäft war etwas schlechter als im Vorjahr, vor allem weil Irland, das jetzt selbst untergäriges Bier braut, ausgefallen ist und Laos durch eine Erhöhung der Biersteuer als Markt nicht mehr in Frage kommt. In den Vereinigten Staaten besteht eine harte Konkurrenz billiger Biere. Erfreulich war dagegen der Absatz nach Belgien und Holland.

Vermutlich wird Schultheiss wieder 16 Prozent Dividende zahlen. Das Bruttoergebnis war zwar um etwa 3 Millionen höher als im Vorjahr. Man will aber vor allem die Pensionsrückstellungen auf die versicherungs-mathematisch notwendige Höhe bringen und daher 1,5 Millionen diesem Posten zuweisen. Außerdem sollen die Möglichkeiten der Sonderabschreibungen nach dem Berlin-Hilfe-Gesetz genutzt werden. Das würde diesmal etwa 10 Millionen erfordern. Um bei der Dividende bleiben zu können, mußte Schultheiss sich 600 000 DM Sonderabschreibungen für das nächste Jahr aufheben. Bei der Kerngesellschaft werden 9,5 Millionen abgeschrieben. Etwas über 8 Millionen wurden investiert. Bei den Töchtern waren es 4 bis 4,5 Millionen Investitionen. Sie werden im wesentlichen durch Abschreibungen gedeckt.

Den Aktionären der Engelhardt-Brauerei AG, Berlin, wird übrigens eine Kapitalberichtigung im Verhältnis 4:1 angeboten. Damit soll hier der scharfe Kapitalschnitt nach dem Kriege von 11 auf 2,22 Millionen DM zu einem Teil wieder gutgemacht werden. W. P.