Heddy Neumeister: Wir vergessen zu schnell. Societäts Verlag, Frankfurt. 255 Seiten, kartoniert, 13,50 DM

Dreißig Jahre ist Heddy Neumeister nun Journalistin, dreißig Jahre lang hat sie den Alltag sorgfältig beobachtet und in zahlreichen Artikeln beschrieben. Zwei Dutzend ihrer schönsten Artikel aus dieser Zeit hat sie ausgewählt und in diesem Buche zusammengestellt. Auch die älteren Aufsätze wirken heute noch frisch. Die Autorin sieht das Bleibende, das Allgemein-Menschliche in sozialen Situationen, und ihre Darstellungskunst ist ungewöhnlich. Sie haßt Klischees, macht ihre eigenen Augen auf und sieht Erscheinungen und Entwicklungen ganz neu. Sie selber sagt im Vorwort von ihren Schilderungen: „Der Leser wird in ihnen nicht den schwarzen Kulturpessimismus finden, der heute allgemeine Mode ist, aber auch keine flache Selbstgefälligkeit über das materiell Erreichte. Die Menschen plagen sich immer – und haben; ihre Lust daran. Wir sollten beides respektieren.“ Heddy Neumeister respektiert beides; sie plagt sich offensichtlich sehr mit ihren Artikeln, – sonst wären sie nicht so gründlich und nachdenklich –, hat aber auch ganz bestimmt ihre Lust am Schreiben, sonst hätte man nicht soviel Vergnügen beim Lesen. A. L.