„Schlachtgewitter von Monte Cassino“ (USA; Verleih: Ton-Film): Es gilt wieder einmal, den Action-Häusern der Vorstädte eine Reverenz zu erweisen; wieviel deren Besitzer manchmal – unbewußt versteht sich – für die Filmgeschichte tun, zeigt sich an diesem alten amerikanischen Kriegsfilm, der in den Filmgeschichten einen festen Platz einnimmt. Hinter dem schlechten Synchrontitel verbirgt sich ein Werk, das in einer Reihe mit „Westfront 1918“, „Im Westen nichts Neues“ und „Wege zum Ruhm“ steht. G. I. Joe – das ist der namenlose Infanterist aus Tunesien, Sizilien, Salerno und auch Monte Cassino, über den der Kriegsberichterstatter Ernie Pyle, den es gegeben hat, den Amerikanern berichtet. Nach seinen Aufzeichnungen wurde der Film von William A. Wellman gedreht, wobei der damals noch unbekannte Robert Aldrich Regieassistenz hatte. Wellman inszeniert episch, mit reduziertem Sentiment, ohne die Gloriole des „großen Krieges“. Er konzentriert sich auf wenige Typen, zeichnet sie’scharf vor einem gleichmachenden Hintergrund, dem Inferno des modernen Krieges, der die Individualität zerstört. Die Unerbittlichkeit, mit der die beiden Hauptgestalten Captain Walker (Robert Mitchum) und Sergeant Warnicki konturiert sind, erinnert an Wellmans vielleicht besten Film, „Oxbow Incident“, der in Deutschland noch niemals gelaufen ist. Wie in dem zwei Jahre früher gedrehten Western, der am äußersten Rand des Genres angesiedelt ist, ist auch „The Story of G. I. Joe“ von straffer Bildgliederung, wenn auch hinzuzufügen ist, daß die Hauptszenen in Roviolo, einer kleinen Stadt in Italien, und die anderen am Monte Cassino im Studio nachgedreht sind, was zwar nicht stört, aber auffällt. Der Rhythmus der Sequenzen ist bedächtig, einer Szene voller Vernichtung folgt ein Zwischenspiel in der „Ruhestellung“, wobei den stillen Szenen die Melancholie eignet, die einen anderen Film von Wellman, „Buffalo Bill“, gänzlich bestimmt. Der Krieg wird durch einige seiner wesentlichen Faktoren, den notwendigen, aber aussichtslosen und tödlichen Kampf dargestellt, es werden Schicksale und private Erfahrungen verdichtet und zu einem repräsentativen Mosaik gerundet. Der Zeitpunkt der Entstehung, eben das Jahr des für die Amerikaner gewonnenen Krieges, hat Wellman nicht dazu verführen können, in einer Apologie des Krieges zu enden: Der überlebende Ernie Pyle, der Kriegsberichterstatter, steht an den Leichen „seiner“ Soldaten und erklärt den Krieg als Wahnsinn, an dessen künftiger Verhinderung alle mitarbeiten müssen. Für eine Siegernation ein hartes Wort, das die Kritik, der sich der Regisseur damals noch verschrieben hatte, beleuchtet. Man kann dem Film nur wünschen, daß er bei seinem Rundzug durch die Bundesrepublik gebührend beachtet wird. dan