Die Inselgruppe im Zentrum des Mittelmeeres hatte Phönizier, Griechen und Römer gesehen, ehe im siebten Jahrhundert die fast dreihundertjährige Herrschaft der Sarazenen begann. Ihr Einfluß ist heute noch in der maltesischen Sprache lebendig, die zur Hälfte arabisch geblieben ist. Später gaben die Normannen von Sizilien aus ein kurzes feindliches Gastspiel; ihnen folgten für kurze Zeit die Habsburger. Maltas eigentliche Glanzzeit begann mit dem keineswegs freudig begrüßten Einzug der Johanniter. Karl V. verlieh dem auf Rhodos hart bedrängten Orden im Jahre 1530 die maltesische Inselgruppe. Zunächst waren die Ritter enttäuscht über das Geschenk; sie nannten Malta „einen unfruchtbaren Felsen“. Seine Bedeutung zeigte sich freilich sehr bald: die Inselfestung widerstand erfolgreich den Türken im Jahre 1563. Heute noch ist „die große Belagerung“ das eindrucksvollste Datum in Maltas Geschichte; es wird im September zusammen mit der zweiten erfolgreich abgewehrten Belagerung im Zweiten Weltkrieg als Nationalfeiertag festlich begangen.

Der französische Großmeister de Valette und sein genialer Baumeister Cassar gründeten die Hauptstadt: Valetta. Unten den Franzosen entstanden die Aubergen, Paläste, die großartige St. Johnkirche.

über zweihundert Jahre lang war Malta das europäische Bollwerk des christlichen Glaubens und Sitz des Ordensstaates. Die Flotte des Ordens kontrollierte das Mittelmeer und die reichen überseeischen Besitzungen in der Karibischen See. Die Ordensgroßmeister lebten als weltliche Herren und machten Malta zum geistigen und künstlerischen Zentrum Südeuropas. Aber sie hatten ihren alten kämpferischen Geist verloren. Napoleon fand keinen nennenswerten Widerstand, als er Malta besetzte.

Die Inseln wurden nach Nelsons Seesieg über die französische Flotte schließlich britische Kronkolonie. Im Mai 1964 soll sie unabhängig werden.