Am Montag, dem 8. Dezember 1958, trafen sich elf Männer in Indianapolis, Indiana: ein Altphilologe, ein Offizier und einige Unternehmer. Der pensionierte Bonbon-Fabrikant Robert Henry Winborne Welch jr. hatte sie eingeladen, um mit ihrer Hilfe Amerika vom Kommunismus zu erretten.

„Ich habe das Problem neun Jahre lang studiert“, begann der Gastgeber einen Monolog, der zwei volle Tage dauern sollte. „Und ich fühle, daß ich den Kommunismus besser in den Griff bekommen habe als meine patriotischen Freunde – Sie eingeschlossen.“ Er verlangte bedingungsloses Vertrauen aller amerikanischen Anti-Kommunisten in ihn, den Führer, und fügte hinzu: „Ich werde ein hartgesottener, diktatorischer Boß sein.“

Als Welch am Abend des 9. Dezember 1958 erschöpft in seinen Sessel zurücksank, gelobten seine Gäste, mit ihm zur entscheidenden Schlacht um die amerikanische Freiheit antreten zu wollen. Die John-Birch-Society war gegründet. Den Namen gab der Gesellschaft der in Rot-China erschossene CIA-Agent John Birch, der erste von Kommunisten getötete Amerikaner. Die vielstündige Botschaft ihres Gründers erreichte auf Film, Tonband und in Buchform alle Winkel des Landes. Und schon nach wenigen Monaten hatte Welch in fast allen größeren Städten der Vereinigten. Staaten Zellen seiner Geheimorganisation aufgebaut. Die Mitglieder – unter ihnen einige prominente Politiker, Militärs, Unternehmer und Künstler – glaubten an Robert Welch und das, was er seinen engsten Freunden in Indianapolis verkündete: „Der Kommunismus ist keine politische Partei, keine Militärorganisation, keine Ideologie, keine Wiedergeburt des russischen Imperialismus – er ist nichts als eine Verschwörung, eine gigantische Verschwörung zur Versklavung der Menschheit. Eine immer erfolgreichere Verschwörung, die von brutalen Gangstern geführt wird, denen alle Mittel zur Erreichung ihres Zieles recht sind.“

Die Vereinigten Staaten – so Welch – seien bereits zu 60 Prozent in der Hand des Feindes, in fast allen Schlüsselpositionen im Lande säßen schon Verschwörer. Um Amerika vom roten Joch zu befreien, müsse man die Kommunisten mit ihren eigenen Methoden schlagen. „Unsere Mittel sind schmutzig und gemein“, erklärte Welch seinen Gästen, „aber die Kommunisten, hinter denen wir her sind, sind gemeiner und schmutziger. Wir bewerfen uns nicht mit Pudding, und es geht nicht um die Objekte einer Kissenschlacht.“

Der Mann, der sich selbst zum Retter Amerikas proklamierte, ist etwas über 1,80 Meter groß, 63 Jahre alt, hat graues, stark gelichtetes Haar, eine Stirnglatze – das freundliche Äußere eines Mannes, der 40 Jahre seines Lebens Bonbons en gros verkaufte. Sein Southern drawl verrät, daß er vor 45 Jahren aus dem „wilden Süden“, aus Nord Carolina, in den Norden kam. Der junge Robert wollte Schriftsteller werden, er mühte sich zwei Jahre an der Law School von Harvard, bevor er in die Bonbonfabrik seines Bruders James O. Welch eintrat. Seine Autobiographie ist kurz und undramatisch: „Seit er erwachsen ist, ist er im Bonbongeschäft“, so schildert Welch sich selber. „Er hat eine Frau, zwei Söhne, einen Hund und vierzehn Golfschläger, von denen er keinen richtig gebrauchen kann, die er aber alle liebt.“

Der Mann, den viele Amerikaner in den vergangenen drei Jahren ein wenig fürchten gelernt haben, der sogar mit Hitler verglichen wurde, ist ein schlechter Redner, ein mäßiger Schriftsteller, gehemmt, scheu, nervös bis zur Unbeherrschtheit. Ein lautes Husten in seinen Versammlungen bringt ihn für Minuten aus dem Konzept, der erkältete Zuhörer muß sich von ihm vorwerfen lassen, mit „schmutzigen kommunistischen Tricks“ zu arbeiten. Nichts fürchtet Welch so sehr wie Publicitiy. Nach einem unglücklichen Auftritt im Fernsehen empfing er nie wieder einen Journalisten

Die dramatische Wandlung im so undramatischen Leben des Robert Henry Winborne Welch jr. kam, als er für das harte Bonbongeschäft zu alt würde. Er entdeckte die kommunistische Verschwörung in Amerika und teilte allen, die es interessierte, diese Entdeckung in einem hektographierten Pamphlet, „The Politicians“‚ mit. Welch enthüllte in seiner Schrift die drei Stufen der Eroberung Amerikas durch die Kommunisten.