Westfalen in Facts

Einen ersten schnellen Überblick über das Land der Roten Erde geben die vorbildlich gemachten Prospekte über Westfalen. Knapp, informativ, ohne die sonst sich so leicht einschleichenden großen Versprechen, die bei genauer Betrachtung nichts halten. Man erfährt, in welchen Hotels in Ludwigshausen man wohnen kann, wie hoch die Preise liegen, die Telephonnummer steht daneben. Übersichtskarten erleichtern, die Orientierung, „Mach’s richtig, komm nach Westfalen“, heißen die Faltblätter. Kurz: Westfalen ist einem schmackhaft gemacht.

Tod durch Schlamperei?

Eine Lustschiffahrt in den heiteren Süden hat mit einem schrecklichen Ergebnis geendet. In der Nähe der Kanarischen Inseln sind weit mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen, nachdem auf dem 20 314 Bruttoregistertonnen großen Schiff „Lakonia“ Feuer ausgebrochen war. Etwa neunhundert Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Das Schiff, das sich auf einer der immer beliebter werdenden Weihnachts- und Sylvesterreisen befand, gehört einer griechischen Reederei. Seine Besatzung – vorwiegend Griechen und Deutsche – war erst kurze Zeit zusammen. Welches Ergebnis die Untersuchung des Unglücks auch haben wird – vieles deutet schon jetzt darauf hin, daß niemand mit einem solch selten gewordenen „Zwischenfall“ gerechnet zu haben und deshalb auch niemand so recht darauf vorbereitet gewesen zu sein scheint. Denn – ein so großes Schiff sinkt heutzutage nur noch in Ausnahmefällen, denn – der Feuerschutz ist strengsten Vorschriften unterworfen, denn – die Mannschaft ist in jedem Fall auf Gefahren gedrillt, denn überhaupt: safety first...? Angeblich war alles getan, und nicht ein einziger Stempel der Sicherheitsbehörden habe gefehlt, und trotzdem? Zweierlei können Teilnehmer solcher Schiffsreisen ziemlich ausnahmslos bestätigen: Daß Unglücks-Manöver nur selten für die Passagiere angesetzt oder als eine zwar befohlene, aber überflüssige Belustigung betrachtet werden, daß gelegentlich nicht einmal die Mannschaft über das Verhalten in Notfällen ausreichend unterrichtet ist und vor allem: daß das Gefühl für Verantwortung kümmerlich ist. Ist wirklich niemandem unter der Besatzung vorher ein Zweifel gekommen? Hat niemand Anlaß gehabt, Zweifel zu äußern? Blindes Vertrauen, „es werde schon alles stimmen“? So bleibt zunächst nur der Rat für alle Schiffsreisenden: sich selber vorher zu erkundigen, was geschehen werde, wenn...