Von Gert Kreyssig

Sie finden an meinem Lager nur erstklassige

Markenskier aus bestem, astfreiem, garantiert trockenem Holz. Um besondere Güte und Qualität meiner Hölzer zu kennzeichnen, bitte ich meinen Faksimile-Stempelaufdruck zu beachten, mit dem jeder von mir persönlich in der Fabrik ausgesuchte Ski versehen ist.

Der Nachfahre jenes Münchner Sporthausbesitzers, der vor 33 Jahren diese ehrenwerte Geschäftspraktik seiner werten Kundschaft mitteilte, müßte heute eine kleine Weltreise machen, wollte auch er noch die Skier höchstpersönlich in den Fabriken aussuchen. Die Skier von heute sind aus Metall oder Kunststoff. Aber nicht nur das – auf dem gesamten Ski-Ausrüstungsmarkt, der von der Zipfelmütze bis zum Ersatz-Skispitzel reicht, ist eine große Umwälzung im Gange. Die Skifahrerei hat eine Dimension angenommen, die es den Fachleuten angebracht erscheinen läßt, von „Volkssport“ zu reden.

Mit der Zahl der bundesdeutschen Skiläufer, die immens gestiegen ist – nach Schätzungen von Verbandsfunktionären innerhalb von fünf Jahren von 2,5 auf über 6 Millionen –, wurde auch das Angebot an Wintersportartikeln immer größer. Es war noch nie so umfangreich und vielseitig wie zu Beginn dieser Saison. Das zeigt sich vor allem in Süddeutschland, wo beispielsweise in München jedes der renommierten Sporthäuser jetzt folgende Utensilien – neben vielen anderen – auf Lager hat: Etwa 10 000 Skier, 15 000 Ski- und Apres-Skihosen (für Damen in fünfzig verschiedenen Farbtönen) aus Elastik- oder gar Superelastikstoffen, ferner an die 5000 Paar Skistiefel, für jeden Autotyp den geeigneten Skihalter, Pullover, und Socken aus Norwegen, Hüttenschuhe aus Jugoslawien, Sturzhelme und Brillen aus Italien, Skistöcke aus Amerika, Felle und Stiefel aus der Schweiz, Handschuhe und Anoraks aus Österreich und Bindungen aus Frankreich.

Am augenfälligsten ist, daß sich Hersteller wie auch Verkäufer von Skigeräten nun moderner Werbemittel bedienen. Eine Skimodenschau allein ist heute schon ein alter Hut; es sei denn, es gelingt, Altmeister Luis Trenker und sein uriges Speckknödel-„ck“ samt seinem charmanten Tiroler Gebirglerlächeln in den Dienst der Skimoden-Werbung zu stellen.

Neuerdings hält auch ein Fabrikteam aus Betreuern und Technikern während der Rennsaison ständig mit den Ski-Spitzenkönnern engen Kontakt. „Zwei Goldmedaillen auf Huber-Ski ‚Roter Pfeil‘ “ – das zieht. Die Sportgeschäfte wollen da nicht hintanstehen. In München ließ ein Haus eine Woche lang in seinen Schaufenstern das Neueste vom Neuen paradieren. Dabei ratterten Maschinen, mit denen die Elastizität bestimmten Markenskier demonstriert werden sollte. Ein Lautsprecher verkündete die hervorragenden Eigenschaften einer neuen Skibindung, und in einem anderen Schaufenster saß ein zünftiger Schuhmacher, der sich an vielgepriesenen handgenähten Skistiefeln zu schaffen machte. Bei dieser betriebsamen Neuheitenschau war auch der Auftrieb von berühmten Wedelspezialisten und Abfahrtskanonen so groß, daß obendrein die Autogrammjäger auf ihre Rechnung kamen.