Von Robert Neumann

Was ist ein Witz? Was unterscheidet ihn von der Anekdote, der humoristischen Erzählung, beiden bisher veröffentlichten Fortsetzungen seines Essays „Über das Erzählen von Witzen“. Und er gab die durch Beispiele reichlich belegte Antwort: die Unterbrechung der direkten Aussage, der Sprung über ein Loch, der dem Witzpublikum zugemutet wird, mit einem Wort: die Sublimierung. Der Witz sei, so schrieb Neumann, „sublimierte Attacke“, „unterdrückter Protest... des Untertans gegen die Autorität... Es liegt im Wesen des Witzes, ‚harmvoll‘ zu sein.“ Unter den Hauptgruppen des aggressiven Witzes wurde zunächst eine verhältnismäßig junge vorgestellt – der Psychiaterwitz.

Der Obszön-Witz, die sublimierte Zote, ist die einfachste, durchsichtigste Spielart. Sie gehört zum ewigen Bestand, zum beinahe-ewigen wenigstens. So ewig wie eine Gesellschaftsordnung, die alles Sexuelle mit Tabus umstellt.

Es ist natürlich eine Sache sozialer Konvention – ebenso wie beim Verdauungsprozeß, bei dem wir höchst willkürlicherweise gerade das Ende mit Geheimhaltungskomplexen eingezäunt und dadurch zum Witz-Ziel gemacht haben. Wäre es uns eingefallen, statt dessen den Anfang des Prozesses einzuzäunen, wäre es ungehörig, öffentlich zu essen, so drehten sich unsere Witze ums Essen.

Interessanterweise konzentrieren sich die Fluchworte und Beschimpfungen der Deutschen auf den Verdauungstrakt, während die aller anderen Nationen – einschließlich der englischen! – die Funktionen des genitalen Systems für diese Zwecke heranziehen. Auch das ein Thema für eine Doktordissertation.

Item – ein paar obszöne Witze. Die harmlosesten, die ich weiß, habe ich schon erzählt, den von der Bardot und dem Fensterputzer und den vom Vergleich der Glatze des Politikers mit einem andern Körperteil.

Hier ein paar weitere, harmlose ... Sagt ein Mann: „Wozu brauchen Frauen Geld? Sie rauchen nicht – sie trinken nicht – sie spielen nicht – und Frauen sind sie selbst!“