Ich frage mich manchmal, ob der Snobismus der Masse nicht schlimmer ist als der Snobismus der Reichen: dieser konnte doch noch eine Funktion haben, das Mäzenatentum ... Doch der Volks-Snobismus? Er ist nutzlos, Werbesprüche erhalten ihn aufrecht, man muß eben dieses oder jenes gesehen haben ... Hat die Kunst etwas davon? Oder das Menschliche? Tristan Tzara

Bundesfilmpreise

Mit je 200 000 Mark an Steuergeldern wurden fünf deutsche Spielfilme ausgezeichnet, darunter Werkchen wie „Das Haus in Montevideo“ und „Schloß Gripsholm“. Die Drehbuchprämien in gleicher Höhe gingen gleich dreimal an Brauners neue Filmkunstvorhaben, aber Strobel und Tichawsky wurden ebenfalls bedacht. Ihr Plan, einen Dokumentarspielfilm über Ehescheidung in der Bundesrepublik zu drehen, könnte nun endlich Wirklichkeit werden. Alexander Kluge erhielt für sein Drehbuch „Abschied vom Gestern“ 10 000 Mark. Vielleicht können die Drehbuchprämien dazu verhelfen, daß die Bundesfilmpreise in den nächsten Jahren weniger lächerlich ausfallen.

Editoreneifer

Arno Schmidt, der neulich für die Edition bisher ungehobener Schätze der deutschen Literatur plädierte („Unsterblichkeit für Amateure“, DIE ZEIT Nr. 45, 1963), hat durch seine Aufforderung so viele gutwillige Amateure auf den Plan gerufen, daß er ihrer nicht mehr Herr werden kann. Er möchte sich daher auf diesem Wege für all die Zuschriften und Anregungen bedanken.

Der Bremer Literaturpreis

Die Stadt Bremen hat ihren Literaturpreis – der seit drei Jahren besonders scharf beobachtet und kritisiert wird, weil sich die Jury seinerzeit im Zusammenhang mit Günter Grass’ „Blechtrommel“ eine seltsame Entscheidungs-Springprozession geleistet hatte – in diesem Jahr an die 37jährige Christa Reinig vergeben. Sie lebt in Ostberlin und ist Kunsthistorikerin am Märkischen Museum. In der Bundesrepublik erschienen von ihr die Bände „Die Steine von Finisterre“, „Traum meiner Verkommenheit“ und „Gedichte“.