Wir sind mit unserer Logelei am Ende. Schweren Herzens räumt Zweistein das Feld, denn andere Spielereien drängen sanft nach vorn.

Spaß hat es ihm gemacht, geistige Fallen zu stellen, aber ebensoviel Spaß hat Zweistein das halbe Tausend Briefe bereitet, das ihm Logeier in Liebe oder Zorn geschrieben haben, Briefe mit Vorschlägen für neue Aufgaben, Briefe mit Lösungen, die viel einfacher oder viel komplizierter waren als die seinen, Briefe natürlich auch mit argen Rügen, weil der Wurm in der Auflösung steckte – oder angeblich stecken sollte.

„Schicken Sie Ihren Zweistein in die Wüste“, schrieb ein Student aus Erlangen an Josef Müller-Marein, den Chefredakteur (leider fand der, die Spesen für eine solche Reise seien zu hoch). „Wenn die ZEIT kommt, stürzt sich unsere ganze Familie zuerst auf die Logelei“, schrieb eine Münchnerin. Zweistein war wieder froh.

Es gab Zeiten tiefster Depression für ihn, zum Beispiel, als ein Fehler in der Auflösung war, ein ganz dicker, und Zweistein 247 Male schreiben mußte, er sei ein Esel. Hinwiederum erinnert er sich auch an Zeiten des Triumphes. Er empfand ihn, als ein Mathematiklehrer aus Stuttgart kurz und bündig erklärte: „Ihre Lösung der Aufgabe mit der Waage ist falsch!“ Wie wohl tat es, dem Studienrat das Gegenteil zu beweisen – Zweisteins großer Kindheitswunsch erfüllte sich.

Ach, und all die neuen Namen: Halbstein, Doppelstein, Zweischwein, Zehnstein, Viertelwasser ... Ein Logeinder schrieb: „Verehrter Herr Minus-Drei-Stein“, ein anderer „Lieber Logeleiermann“. Und weiter: Lügelstein, Mogelstein, x hoch 2 -Stein, Nullstein, Wurzelstein, Logel- und Mogelmeister – es wollte kein Ende nehmen, Manch einer schrieb ganz seriös, wie zum Beispiel der Diplom-Ingenieur aus Herne: vorn „Sehr geehrte Herren“ und hinten ganz „Hochachtungsvoll“. Jener Ingenieur ließ uns übrigens wissen: „... muß ich leider annehmen, daß in Ihrer Zeitung alles andere ebenso unglaubhaft ist wie die Auflösung Ihres letzten Denkrätsels.“ Erwärmt hat es Zweisteins Herz hingegen, als er auf einer in säuberlicher Mädchenhandschrift verfaßten Postkarte las: „Wir haben in unserer Schule einen Logelklub gegründet.“ Nur, von einem Zweistein-Fan-Klub – Zweisteins geheimer Hoffnung – schrieb sie leider nichts.

Von allen Logelei-Vorschlägen hielt das „Problem mit den zwölf Kugeln“ die Spitze. Es wurde um die dreißigmal zum Abdruck empfohlen. Hier sei die Aufgabe nachgetragen:

Gegeben sind zwölf völlig gleich aussehende Kugeln, die, bis auf höchstens eine, das gleiche Gewicht haben. Gegeben ist außerdem eine simple Balkenwaage ohne Gewichte und natürlich auch ohne Skala. Diese Waage darf man dreimal benutzen, dann muß eindeutig feststehen, ob sich eine Kugel mit unterschiedlichem Gewicht unter den zwölfen befindet und, wenn ja, welche es ist und ob die Ausnahme-Kugel schwerer oder leichter ist als die übrigen.