H. W., Neumünster

Die Geschichte begann damit, daß die Stadt Neumünster nach Grund und Boden suchte, um ihren Friedhof zu erweitern, der für die wachsende Stadt zu klein geworden war. Sie fand auch Land, nämlich rund sechs Hektar landwirtschaftliches Gelände, das unmittelbar an den Friedhof grenzte. Ideal, meinten die Stadtväter. Der Meinung war auch der Besitzer der sechs Hektar. Und als ihm das Kaufangebot unterbreitet wurde, schraubte er seine Forderungen auf sechs Mark pro Quadratmeter herauf. Die Stadt, in einer Zwangslage, zahlte den geforderten Preis: 370 000 Mark. Die zuständige Kreislandwirtschaftsbehörde fand diesen Preis etwas hoch, billigte aber den Kaufvertrag, da das Gelände aus der „landwirtschaftlichen Nutzung“ ausschied. Die Toten in Neumünster werden jedenfalls in teurer Erde ruhen.

Der Bauer indes blieb keineswegs auf seinem Geld sitzen. Er kaufte von einem anderen Landwirt vier Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, die unmittelbar neben seinem Hof lagen und glich auf diese Weise seinen Landverlust aus. Kaufpreis: Runde 100 000 Mark, die sofort bezahlt wurden. Der Verkäufer erwarb dafür Maschinen und zahlte seinen Geschwistern zusätzliche Abfindungen.

Nun geschah etwas, mit dem weder Käufer noch Verkäufer gerechnet hatten: Die Kreislandwirtschaftsbehörde schaltete sich ein, versagte dem Kaufvertrag ihre Genehmigung und reduzierte den Preis auf 70 000 Mark. Die beiden Landwirte waren damit nicht einverstanden, wandten sich an das Landwirtschaftsgericht in Neumünster und verlangten, der Vertrag solle ohne Bedingungen genehmigt werden.

Das Gericht lehnte ihre Forderung ab. Begründung: Der vertraglich vereinbarte Gegenwert stehe in einem groben Mißverhältnis zum Wert des Grundstückes. Mit einfacheren Worten: Das Grundstück ist viel zu teuer bezahlt worden. Aus agrarpolitischen Gründen, so heißt es weiter in der Begründung, könne der Kaufpreis von 100 000 Mark nicht gebilligt werden. Wenn man einen Quadratmeterpreis von 2,50 Mark für eine landwirtschaftlich genutzte Fläche billige, so bedeute das, daß ein Bauernhof von 40 Hektar ohne Beschlag und Gebäude eine Million Mark koste. Solche Preise führten dazu, daß landwirtschaftliches Gelände für Landwirte nicht mehr erschwinglich sei. Das aber sei „agrarpolitisch“ nicht zu verantworten.