Mit Reichsminister a. D. Andreas Hermes ist ein Mann von uns gegangen, der die erschütterndsten Ereignisse der deutschen Geschichte in jeder Phase am eigenen Leibe miterlebt hat. Hermes gehörte zu den Widerstandskämpfern in der Nazi-Zeit. Der Volksgerichtshof hatte ihn unter dem Vorsitz von Freisler bereits zum Tode verurteilt, aber eine amerikanische Bombe tötete Freisler, ehe noch das Todesurteil gegen Hermes vollstreckt werden konnte. Es gibt ein Bild von Andreas Hermes, das diesen aufrechten deutschen Widerstandskämpfer zeigt, wie er, der zum Tode Verurteilte, vor Freisler steht in einer so souveränen Haltung, daß man diesen Anblick nie vergessen wird. Als Freund und als Deutscher kann man stolz sein auf diesen Landsmann.

Als die Russen 1945 in Berlin zu herrschen begannen und ihre demagogische Bodenreform durchführten, die ja nur der Auftakt zur Kollektivierung der ostdeutschen Landschaft sein sollte, war Hermes der damals prominenteste deutsche Agrarpolitiker. Er wurde von den Russen unter Druck gesetzt, dieser Bodenreform zuzustimmen und ihr seine Unterschrift zu geben. Hermes tat es nicht, obwohl ihm und seiner Frau immer wieder gesagt wurde, er könne damit seinen Sohn retten, der sich zu jener Zeit in russischer Kriegsgefangenschaft befand. Er hat mit voller Zustimmung seiner Frau diese Unterschrift verweigert und gab damit abermals ein überzeugendes Beispiel an Mannesmut und Überzeugungstreue.

Wir haben in diesen Tagen Theodor Heuss und Erich Ollenhauer zu Grabe getragen. Beiden ist feierlich bestätigt worden, daß sie sich um das Vaterland verdient gemacht haben. Für Andreas Hermes gilt diese Feststellung nicht minder. Er hat ein Beispiel gesetzt. Fritz Baade