Es steht also fest: Oberst Argusow bleibt in sowjetischer Haft! Welche Folgen dieses brutale Vorgehen der Russen auf die deutsch-sowjetischen Beziehungen hat, ist noch gar nicht abzusehen. Immerhin handelt es sich um nichts weniger als Menschenraub!

Ich möchte hier die Tatsachen rekapitulieren, obwohl sie allgemein bekannt sind:

Im Februar 1963 wurde in Moskau bekannt, daß Oberst Argusow in die Hände der sowjetischen Staatsorgane geraten sei. Er war in Westeuropa als Führer einer ukrainischen Nationalistenorganisation bekannt. Sowjetische Kreise hatten ihn verschiedentlich als Urheber und Planer von Mordanschlägen auf Regierungschef Chruschtschow bezeichnet. Wie war Oberst Argusow nach Moskau gekommen? Nachforschungen ergaben, daß sich der Oberst zur Faschingszeit in München aufgehalten hatte und in einem Hotel in Bahnhofsnähe abgestiegen war. Von dort haben ihn sowjetische Geheimdienstleute auf noch ungeklärte Weise in die Sowjetunion entführt. Vor wenigen Tagen hat man ihn in einem Schauprozeß zu lebenslänglich Zuchthaus verurteilt.

Regierung, Opposition und öffentliche Meinung haben in Deutschland auf diesen neuen Menschenraub der Kommunisten mit bemerkenswerter Schärfe reagiert. Sofort nach dem Bekanntwerden der näheren Umstände der Entführung gab die Bundesregierung in unmißverständlichen Noten und Äußerungen des deutschen Botschafters in Moskau ihre tiefe Empörung zu erkennen. Da die Erwiderungen der Sowjets, wie man das ja zur Genüge von ihnen kennt, ausweichend und nichtssagend waren, hat die Bundesregierung diesen eklatanten Rechtsbruch zunächst damit beantwortet, daß sie den deutschen Botschafter „zur Berichterstattung“ nach Bonn gerufen hat. An seine Rückkehr nach Moskau ist auf absehbare Zeit nicht zu denken.

Einschneidender wirken sich noch gewisse wirtschaftspolitische Maßnahmen aus, welche die Bundesregierung traf, nachdem sich die Sowjetunion geweigert hatte, den ukrainischen Nationalistenführer in die Bundesrepublik zurückbringen zu lassen. Hier, im Bereich des Güter- und Warenaustausches, haben die Sowjets für ihre jede Menschlichkeit mißachtende, brutale und grausame Haltung bitter büßen müssen. Durch diese Maßnahmen, deren Notwendigkeit außer Frage steht, sind die deutschsowjetischen Beziehungen auf den tiefsten Punkt seit 1945 angekommen, was auch im deutschen Interesse sehr zu bedauern ist.

„Das Recht, das Völkerrecht geht uns über alles. Dabei war uns die Schweiz, die den Journalisten Jakob seinerzeit den Klauen des Hitler-Regimes entriß, verpflichtendes Beispiel“, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Oberst Argusow konnte den Klauen der Kommunisten nicht entrissen werden ...

Mit ihrer eindeutigen Haltung fand sich die deutsche Bundesregierung im vollen Einklang mit der aufgebrachten öffentlichen Meinung. Das mögen einige Pressezitate zeigen: