Daß ich mich „kabarettistischer Gags“ bediene, „um meine Sache an den Mann zu bringen“, ist unter den Vorwürfen, die mir die Betrachtung „Korporale der Kultur“ („Die Zeit“ Nr. 47/1963) eingebracht hat, ein besonders aufschlußreicher und vergnüglicher Hinweis. Der nachdenkliche Leser hielt es rundweg für eine fragwürdige Übertreibung, als ich behauptete, in unseren Verhältnissen werde beispielsweise der Aufzucht, Fütterung und Leistungskontrolle von Legehennen mehr Bedeutung beigemessen als der Erziehung und Unterweisung von Kindern, die einmal als mündige Bürger das Geschick unseres Gemeindewesens bestimmen werden.

Ich möchte den Beleg für meine Behauptung nicht schuldig bleiben:

An den pädagogischen Hochschulen des Landes Niedersachsen sind gegenwärtig etwa 6500 Studenten eingeschrieben. Der Etat dieser Hochschulen beträgt insgesamt 10 Millionen Mark. An der Tierärztlichen Hochschule des Landes Niedersachsen bereiten sich gegenwärtig etwa 600 Studenten auf ihren Beruf vor. Der Etat dieser Hochschule weist mehr als 8 Millionen Mark auf.

Das bedeutet: Für die Ausbildung eines Lehrers wendet das Land etwa 1500 Mark auf, für die Ausbildung eines Tierarztes etwa 13 000 Mark.

Oder:

Das Niedersächsische Schulgesetz vom 14. September 1954 beauftragt alle Lehrer, „die ihnen anvertrauten jungen Menschen für Leben und Beruf vorzubereiten und sie auf der Grundlage des Christentums, des abendländischen Kulturgutes und des deutschen Bildungserbes zu selbständig denkenden und verantwortungsbewußt handelnden Bürgern eines demokratischen und sozialen Rechtsstaates zu bilden und zu erziehen.“ Um 6500 Studenten zu selbständig denkenden und verantwortungsbewußt handelnden Lehrern einer Schule heranzubilden, in der die Heilstatsachen unseres Glaubens, die Gehalte der europäischen Überlieferung und der deutschen Bildungstradition lebendig sein sollen, stehen kaum mehr Mittel. zur Verfügung, als zur Ausbildung von 600 Studenten vonnöten sind, die sich der Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten annehmen sollen, unter denen Haustiere sowie Tiere leiden, die in freier Wildbahn leben oder in Tiergärten vor Untergang und Entartung bewahrt werden.

Oder anders herum: