Es stand 3 : 3. Auf den Tribünen der Ostberliner Seelenbinderhalle schrien die SED-Claqueure wie besessen, jetzt war der politische Triumph ganz nahe, jetzt würde die sozialistische die kapitalistische Mannschaft schlagen, jetzt würde die DDR die Majorität in der gesamtdeutschen Olympiaauswahl bekommen, jetzt ein SED-Mann Chef de Mission werden, denn jetzt standen die „Westdeutschen“ mit nur vier Feldspielern auf dem Eis.

Da schoß Ernst Trautwein ein Tor.

Das ist nicht so, als hätte er einfach ein Tor geschossen. Trautwein schießt in diesen dreimal blödsinnigen Spielen der deutschen Eishockeymannschaften schon längst nicht mehr einfach ein Tor.

Er schießt das letzte Tor.

Das war schon bei der Weltmeisterschaft in Schweden so gewesen. Die Mannschaft der Bundesrepublik und der Sowjetzone standen unter der ungeheuren Belastung: Wer würde wessen Fahne in Habt-Acht-Stellung grüßen müssen? Es war politisches, nicht sportliches Spiel. Am Schluß ertönte das Deutschlandlied, hurtig schaltete das Zonenfernsehen ab, und die Zonenspieler wandten der schwarz-rot-goldenen Fahne den Rücken zu.

Alles, weil Ernst Trautwein kurz vor Schluß das siegbringende Tor geschossen hatte.

Er schoß den entscheidenden Treffer also in Stockholm, er erzielte ihn acht Monate später beim Qualifikationsspiel in Füssen, als die Zone schier unerträglich lange 4 : 3 geführt hatte, und er schoß ihn in Ostberlin, als es 3 : 3 stand, und nur vier Feldspieler seiner Mannschaft auf dem Eis waren.