Die Urteile über den „Playboy“ beruhen hierzulande mehr auf geflüsterten Gerüchten denn auf Kenntnis. Daß die Zeitschrift nur an wenigen Kiosken und in wenigen Buchhandlungen gehandelt wird, deren Adressen selbst in Großstädten nicht jedermann geläufig sind, hat den Anschein erweckt, es gäbe sie überhaupt nur unterm Ladentisch. Nun, die auf Heftgröße gewöhnlich zweimal zusammengefaltete Nuditat einer jeden Nummer hat überdies den Eindruck verstärkt, es handle sich um etwas Unzüchtiges. Aber – „Playboy“ ist nur auf den ersten Blick eines jener Magazine, die unzufriedene Herren von Zufriedenheit träumen machen sollen. Was jedoch dieses amerikanische Blatt so amüsant, so lächerlich, so spielerisch macht, ist seine Fähigkeit, sich sozusagen über die eigene Pornographie lustig zu machen oder: den Sex zu vergaggen. „Playboy“ ist ein leichtsinniges Wesen, das man nicht an der leicht ungenauen Elle der Tugend messen darf. „Twen“, ein deutscher Versuch, ähnlich aber anders, ist, was Sex angeht, gründlicher.

Mit nur 600 Dollar und einer fixen Idee entschloß sich im Jahre 1953 ein ehrgeiziger, 27 Jahre alter Nichtsnutz mit Namen Hugh Heiner, das Magazin „Playboy“ ins Leben zu rufen. Heute, zum zehnten Geburtstag des Magazins ist er nicht nur Herausgeber des „Playboy“, der zwei Millionen Beschauer – einige von ihnen sind auch Leser – pro Ausgabe hat, sondern zugleich Gründer und Lehrer einer Lebensart, die er mit „Urban Guy“ umschreibt, auf deutsch etwa: Großstadtbummler.

In den Playboy-Klubs erfreuen die Bunny-(Kaninchen)-Animierdamen (deren Büstenhalter oft mit Kleenex-Taschentüchern aufgefüllt sind) die Urban-Guys; die Zahl der „Gläubigen“ vergrößert sich ständig. Im vergangenen Jahr nahmen die sechs Playboy-Klubs etwa zehn Millionen Dollar ein. Vorletzte Woche wurde der siebente in Detroit eröffnet, und in diesen Tagen plant der „Playboy“, das Montega-Bay-Hotel in Jamaika zu kaufen. Hefner selbst hat ein viergeschossiges Stadthaus im Norden von Chikago mit vierzig Räumen; es kann fünfzig „Kaninchen“ zu geringer Miete in zwei großen Schlafsälen aufnehmen. Gerade jetzt führt Hefner Verhandlungen, um eine begrenzte Zahl von luxuriösen „Playboy-Autos“ auf den Markt zu bringen, obwohl er noch nicht weiß, wann und wie sich dies verwirklichen läßt. Hefner, der „Prophet“, lungert in seinem Luxus-Schlafzimmer-Büro in einem gelben Plüschanzug herum mit dem Playboy-Hasen auf der Brust und sagt Dinge wie: „Es war ein kaltes Weihnachten.“ Besucher müssen ihre Schuhe ausziehen, damit der weiße Teppich nicht beschmutzt werde. Hefner arbeitet oft 72 Stunden ohne Pause; dazu hockt er im Pyjama auf seinem Sofa, eine leergebrannte Pfeife zwischen seinen Vorderzähnen, und fabriziert „Playboy-Philosophie“, zum Beispiel: „Nach der Ausbildung erleben wir (die Junggesellen) eine Zeit des Spiels, ehe wir die Verantwortung für eine Familie auf uns nehmen.“

Untersuchungen besagen, daß der typische Playboy-Leser ungefähr 29 Jahre alt ist, in einer großen Stadt lebt und mehr trinkt, mehr raucht und mehr reist als seine Mitmenschen. Von der Hälfte aller Leser wird angenommen, daß sie mehr als 10 000 Dollar jährlich verdienen, und 67,8 Prozent sind zwischen 18 und 34 Jahren alt. Aber eine Anzahl von Lesern, dies schlägt sich in einer Spalte „Der Playboy-Ratgeber“ nieder, scheint erst 16 Jahre alt zu sein und sich noch immer mit so schwierigen Problemen herumzuschlagen wie: „Wie lang muß eine Zigarettenspitze sein, damit sie einem Mann gut steht?“ fragt M. M. aus San Franzisko. „Playboy“ antwortet: Zehn Zentimeter. Oder: „Wenn sich der Skilehrer in einem Anflug von Kameradschaft am Tisch niederläßt und mein Mädchen fixiert“, fragt L. C. aus Denver, „muß ich ihm dann seine Getränke bezahlen?“ „Playboy“ sagt: Nein. Nie Lowness, der lange Zeit Hefners Berater war, sagte jüngst dazu: „Der junge Mann sucht seine Persönlichkeit, und der ‚Playboy‘ ist eine Art Ratgeber für ihn. Ich halte es für gut, daß es jemanden gibt, der den Jungen sagt, wie sie sich zu benehmen haben.“

Hefners „Playboy-Philosophie“ provoziert die meisten Leserbriefe. Seine Philosophie deutet an, daß er für eine gesetzlich erlaubte Abtreibung und voreheliche Sexualität ist; er vermeidet es aber überaus sorgfältig, dies auch so deutlich auszusprechen. Für einen Rebellen ist Hefner erstaunlich diskret. A. C. Spectorsky, der Hefner seit 1956 als zweiter Redakteur zur Seite steht, versucht, sich ein bißchen klarer auszudrücken: „Da heißt es, man soll sich vor der Ehe dem Bett fernhalten, aber wir glauben nicht daran. Dennoch findet man im Playboy‘ eine ganz bestimmte gedankliche Linie, die sagt: ‚Verletzt niemanden‘. Niemals hat sich die Zeitschrift schützend vor den Ehebruch als einen Zufall des Lebens gestellt.“

Hefner selbst, der Mann hinter den Kaninchen und den Gespielinnen, war nach Vic Lowness selbst einer von denen, „die ihre Persönlichkeit suchten“. Heute ist Hefners Persönlichkeit ziemlich fest geformt. Seine weit bekannten Partys sind eine kitschige Mischung aus schillernder Dekoration und konventionellem Benehmen. Seine letzte Weihnachtsparty war geräuschvoll friedlich. Im Ballsaal gingen die Lichter automatisch mit einschüchternder Regelmäßigkeit an und aus. Ein Trio spielte Rock’n’Roll und Twist auf einer kleinen Bühne. Ein paar Mädchen des Magazins tanzten zusammen Twist, weil ihnen männliche Partner fehlten. Einige der mit Bikinis bekleideten Bunnys schwammen in einem Bassin, das in den Boden eingelassen ist, während in einer dunklen Kellerbar, die durch Treppen vorbei an Feuerlöschern zu erreichen ist, einige Paare hockten und dort tranken oder die Beine der Schwimmenden durch ein Fenster beäugten.

Hefner, auf einem roten Bett in seinem Schlafzimmer sitzend, nippte an einem Bourbon mit Coca Cola, rauchte „Mixture 79“, einen unter seinen Mitarbeitern beliebten Pfeifentabak und sprach über sein Reich. Zunächst über Sex: „Jeder, der meint, daß Sex in seinem weitesten Freudschen Sinn nicht das Wichtigste ist, ist entweder unwissend oder scheinheilig. Eines ist offensichtlich: Ohne ihn würden wir noch immer in Höhlen leben. Was die Zivilisation in der Welt vorangetrieben, ist nicht die Religion, sondern der Sex.