A. d. F., Rom, im Januar

Für die katholische Kirche hat eine neue Epoche begonnen: eine Epoche der „Gipfelkontakte“ und einer neuen apostolischen Dynamik.

Ein moderner Papst hat mit seiner Reise ins Heilige Land die jahrhundertealte anachronistische Tradition der Abgeschlossenheit und Unbeweglichkeit ausgelöscht. Paul VI. hat es nach seiner Rückkehr der harrenden Menge auf dem Petersplatz selber gesagt: „Unsere Reise ist eine Tatsache geworden, die von großer historischer Bedeutung sein kann, und sie ist der Beginn von vielleicht großen Ereignissen, die sich segenbringend auf die Kirche und die ganze Menschheit auswirken können. Heute abend vermag ich Euch nur folgendes zu sagen: Wir hatten am Morgen dieses Tages das große Glück, den ökomenischen Patriarchen von Konstantinopel zu umarmen und nach Jahrhunderten der Trennung mit ihm Worte des Friedens und der Brüderlichkeit zu wechseln. Wir hoffen, daß der damit gelegte Samen zur Reife gelangt.“

Nüchterner und realistischer konnte man das Fazit dieser Reise nicht ziehen. Es klang wie eine Paraphrase der Botschaft, die der Papst in der Geburtsgrotte Christi in Bethlehem an die Welt richtete: daß es nötig sei, das Konzil zu einem guten Ende zu führen, und daß man dem kirchlichen Leben neue Impulse geben und ihm neue Aufgaben stellen müsse. „Es ist nunmehr allen klar, daß wir dem Problem der Einheit der, Kirchen nicht mehr aus dem Wege gehen können“, sagte er und fügte hinzu: „Auch, bei dieser einmaligen Gelegenheit müssen wir feststellen, daß das Resultat unserer Bemühungen um die Einheit der Christen nicht zu Lasten der Wahrheit des Glaubens gehen darf. Wir dürfen es in der Verwaltung des Erbes Christi nicht an Konsequenz fehlen lassen. Wir sind nur seine Kustoden, Lehrer und Interpreten.“ Jedoch: „Wir werden uns enthalten, von den getrennten Brüdern Dinge zu fordern, die wir uns nicht selbst zu tun vornehmen.“ Damit hat der Papst klar gesagt, bis an welche Grenzen Rom bei der Wiedervereinigung der getrennten Kirchen gehen kann.