Von Uwe Nettelbeck

Darsteller: Mannequins, Bier; Länge: 1440 Kader = 1 Minute; Farbe: Rotschwarz. Man sah in der Tat Mannequins Bier trinken, mal rot angeleuchtet, mal schwarz, eine Minute lang. Das Filmchen stammte von dem Wiener Peter Kubelka, hieß „Schwechater“ und wurde von seinem Schöpfer als ein „starkes optisches Erlebnis, wie es nur der Film ermöglicht“ apostrophiert.

Ein Mann liegt auf einem Bett, die Kamera lauert über ihm; er windet sich und stöhnt, und man merkt: Er liegt in den Wehen. Es kommt auch heraus, aber kein Kind, sondern ein kindskopfgroßes Ei. Das nannte sich „Onan“ und kam aus Japan.

Oder es flimmerte einfach. Solcherlei kam zumeist aus den USA.

Doch auch die Bundesrepublik ließ sich nicht lumpen: Ein Film der Technischen Hochschule Stuttgart (aus dem Kreis um Max Bense) interpretierte einen visuell-konkreten Text optisch: drei Gedichtzeilen bis zum Unsinn geschüttelt.

Im leeren Stadion wand sich ein Tänzer, derweil eine Dame Heißenbüttel-Verse trällerte.

Manchmal zuckte auch einfach Geometrie auf der Leinwand herum: „Die Idee ist die Überspielung der zeitlichen Modulation und das Herausstellen eines Intervalwertes im Bereich einer imaginären Leerform, die als persönlich erlebte Äquivalenz einer subjektisch schöpferischen Sinnheit gesehen wird.“ Der Film, der damit herstolzierte, hieß nach seiner Länge „27 Min. 45 Sek.“.