„Eine total total verrückte Welt“ (USA 1963, Verleih: United Artists): Regisseur-Produzent Stanley Kramer neigt in seinen publicity-begleiteten Filmen meist dazu, Kompromisse zwischen überkommenen Kinoklischees und gewichtigen thematischen „Anliegen“ zu schließen – Kompromisse, die vielleicht aus der Sicht Hollywoods als wagemutige Abweichungen von der Generallinie erscheinen mögen, in der Regel aber etwaige kritische Intentionen von innen her aushöhlen, mitunter gar ins Gegenteil verkehren und dem anspruchsvolleren Zuschauer den Geschmack verderben. Das beweist sich wiederum an Kramers letzter Hervorbringung. Neu für Kramers Schaffen ist nur, daß es sich hier um eine auf epische Dimensionen gestreckte Burleske handelt. Das Autorenpaar William und Tania Rose ersann eine kinowirksame Grundfabel: Ein entlassener Zuchthäusler (Jimmy Dur ante) teilt kurz vor seinem Unfalltod einigen an der Landstraße haltenden Automobilisten den Ort mit, an dem er einen Schatz vergraben hat. Nun beginnt ein fieberhaftes Wettrennen aller Beteiligten, um auf dem schnellsten Weg zum Ort des Verstecks zu gelangen und die lästigen Konkurrenten auszuschalten. Das bietet dem Film mannigfaltige Gelegenheit, Autounfälle, Verfolgungsjagden, Zerstörungsorgien und Flugzeugeskapaden zu einer hektisch-komödiantischen Folge zusammenzumontieren und zwischendurch noch einige exzentrische Charakterporträts einzustreuen. Wohl verfolgt Kramer bei alledem eine moralistische Nebenabsicht: Er möchte darstellen, wie die Jagd nach Geld die Menschen, bis hin zum pensionsreifen Polizeioffizier (Spencer Tracy), unterschiedslos korrumpiert. Doch solche interessanten Ansätze (zu denen man auch die Zitate von bestimmten Vorbildern aus der Frühgeschichte des US-Films rechnen kann) gehen unter in einer Flut teils besserer, teils schlechterer, teils banaler Gags, die vielfach nur um ihres optischen Schauwertes willen in den Film hineingebracht wurden und doch nicht verhindern können, daß sich nach der Hälfte des Dreieinhalb-Stunden-Opus Langeweile einstellt. Krämer achtete bei der Anfertigung dieses Streifens vor allem darauf, daß er gut „verkauft“ werden könne, und ins Repertoire der kommerziellen Superproduktionen gehört er denn auch. grg