Nur drei Jahre und sechs Monate hat der Kompromiß gehalten, der der Insel Zypern die Selbständigkeit gab. Zu den Bemühungen des jungen Staates hatte es sogleich gehört, den Tourismus auszubauen und um Reisende zu werben. Und das war nicht schwer, denn diese große Insel im östlichen Mittelmeer verfügt über alles, was Touristen anlockt: Schönheit der Natur, ein glückliches Klima, gastfreundliche Menschen, eine reiche Geschichte und viele Bauten, die von alter Kultur zeugen. Nun hat ein neuer Konflikt Wirren heraufbeschworen, die manche geplante Reise zunichte machen. Urlaubsselige, Vergnügungsreisende mit Fernsucht meiden Plätze, wo es schießt und verworren ist. Da können zunächst nur Bücher helfen, um die Reise wenigstens im Geiste anzutreten oder um sich gründlicher auf die nur verschobene Fahrt vorzubereiten. Das wertvollste Buch für kunstverständige Leute, das jetzt über Zypern erschien, ist der 21. Band der Unesco-Sammlung der Weltkunst:

Zypern, Byzantinische Mosaiken und Fresken. Vorwort von A. H. S. Megaw. Einführung von Andreas Stylianoü, 32 großformatige Reproduktionen in zehnfarbigem Offsetdruck. 76 Mark. Deutsche Auslieferung R. Piper u. Co. Verlag, München.

Damit sind wiederum wenig bekannte Meisterwerke früher Epochen sorgfältig reproduziert und mit wissenschaftlicher Akribie erläutert worden. Einige der für diese Sammlung photographierten schadhaften Fresken und Mosaiken in Klöstern und Kirchen der Insel wurden inzwischen von der Altertümer-Verwaltung Zyperns restauriert.

In der gleichen Reihe erschien kürzlich als 20. Länderband

Rumänien – Bemalte Kirchen in der Moldau. Vorwort von André Grabar. Einführung von Georges Oprescu. 32 großformatige Reproduktionen, wie stets in zehnfarbigem Offsetdruck. 76 Mark. Ebenfalls Piper, München.

Es ist ein besonders anmutiges Werk, das den überraschenden Reichtum dekorativer üppiger Wandmalerei an den Außenwänden von fünf der 14 byzantinischen Kirchen vermittelt, die in lebendigem Kontakt mit der waldigen Hügellandschaft stehen. Diese Außenfresken bedecken die Wände bis unter das Dach und sind trotz des rauhen Klimas noch ungewöhnlich gut erhalten. Sie dienten der Belehrung und der Befriedigung des künstlerischen Anspruchs der Bevölkerung und werden es, weithin sichtbar, noch heute tun.

Für alle diejenigen, denen eine Reise nach Rumänien vorläufig zu beschwerlich erscheint, wird dieser Band ein willkommenes Geschenk sein. Sie werden Unbekanntes aus diesem Land erblicken. Absicht all dieser Bildbände ist es, Eindrücke von wesentlichen, doch kaum bekannten Kunstwerken aller Länder der Erde zu geben. Wer aber eine Reise vorhat, der kann sich hier erstklassig orientieren und wird dann gewiß nichts unversucht lassen, um seinen Reiseweg über die mittelalterlichen Klosterkirchen der nördlichen Moldau (Bukowina) zu nehmen. Und eines Tages auch nach Zypern. em