Feuilleton

Der große Andante-Komponist

In der zweiten Hälfte seines Lebens stand er dem tonangebenden Avantgardismus, wie überhaupt der „Moderne", recht fern. Darum sind wir ihm nun noch viel zu nah.

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DIE ZEIT

Ulbrichts neue Taktik

Walter Ulbricht will als Initiator der Berliner Passierscheinregelung gelten; dies wurde deutlich an seiner Rede zum 45. Gründungstag der KPD.

Der Friedens-Krieg

Kaum hat es begonnen, dieses 1964, schon haftet ihm ein Etikett an: das Jahr des Friedens. So schön jedenfalls, so milde und beruhigend wie diesmal haben sich die Neujahrsadressen von West nach Ost und von Ost nach West seit fünfzehn Jahren nicht gelesen.

Pilger für die Einheit

Am 4. Dezember 1963 überraschte Papst Paul VI. die Welt mit der Nachricht, er gedenke eine Reise ins Heilige Land zu unternehmen.

Wolfgang Ebert:: Der Fall Argusow

Es steht also fest: Oberst Argusow bleibt in sowjetischer Haft! Welche Folgen dieses brutale Vorgehen der Russen auf die deutsch-sowjetischen Beziehungen hat, ist noch gar nicht abzusehen.

Linientreu – vom Scheitel bis zur Sohle

Hat Walter Ulbricht Kehlkopfkrebs? Das Gerücht ist seit einiger Zeit immer wieder zu hören, und es tauchte am vergangenen Wochenende abermals auf, als der 70jährige Staatsratsvorsitzende und Parteichef der DDR „wegen Heiserkeit“ darauf verzichten mußte, bei der Feier des 45.

Zeitspiegel

Aus glaubwürdiger Bonner Quelle stammt eine neue Version des Argoud-Zwischenfalls. Danach ist der französische Oberst nicht von „Barbouzes“ oder anderen Franzosen, sondern von Personen deutscher Staatsangehörigkeit im Februar 1963 aus München entführt worden.

Rochus Spiecker:: An den Quellen des Christentums

Der Papst reist, und die Welt horcht auf. Sie findet das sensationell. Man könnte, mit Verlaub, allerdings ebenso darüber verwundert sein, daß sie diesen Dreistundenflug – eine „private Pilgerreise“ – mit solchem Interesse registriert.

Die Einheit der Kirchen

Ein moderner Papst hat mit seiner Reise ins Heilige Land die jahrhundertealte anachronistische Tradition der Abgeschlossenheit und Unbeweglichkeit ausgelöscht.

Renovierter Rapacki-Plan

In der Klausur einer komfortablen Jagdhütte in den masurischen Wäldern diskutierten Chrutschtschow und sein polnischer Gastgeber Gomulka.

Ein Diener des Rechts

Ein Staatsmann, der, bevor er handelt, nur erwägt, was seinem Staate nützen könnte, nicht aber auch danach fragt, ob seine Planungen sich in den vom Völkerrecht gezogenen Schranken halten, hat zum Schaden seines Landes seinen Beruf verfehlt.

Pariser Zukunftsmusik

Europa, so scheint es, tanzt nach dem Rhythmus de Gaullscher Pressekonferenzen. Da war der 14. Januar 1963 mit der Absage des Generals an Großbritannien.

Andreas Hermes

Mit Reichsminister a. D. Andreas Hermes ist ein Mann von uns gegangen, der die erschütterndsten Ereignisse der deutschen Geschichte in jeder Phase am eigenen Leibe miterlebt hat.

Heilung oder Teilung?

Der britische Commonwealth-Minister Duncan Sandys ist ein Mann, dem das politische Getümmel behagt. Sein dramatischer Nachtflug auf das in innere Wirren verstrickte Zypern war ganz nach seinem Geschmack.

Texas-Hüte im Weißen Haus

Der Harvard-Professor im Texashut – es war ein nachdenklich stimmender Anblick. „Ich hab’ meinen alten verloren“, antwortete McGeorge Bundy lachend auf meine Frage, „der Präsident schenkte mir diesen.

Portugiesische Kolonien

Der frühere Minister für portugiesische Überseegebiete veröffentlicht Reden und Aufsätze über sein Arbeitsgebiet. Wie dies nicht anders denkbar ist, legt er die Ansichten eines patriotischen Portugiesen dar, der stolz darauf ist, was sein Volk jenseits der Ozeane geschaffen hat.

Die tragische Gestalt Neville Chamberlains

Zwei junge englische Historiker haben die Akten, veröffentlichte und unveröffentlichte, der britischen Außenpolitik aus dem Ende der dreißiger Jahre durchforscht, dazu die Memoirenliteratur studiert; sie messen diese Politik an den Folgen, gehen den Einzelheiten und Widersprüchen nach und veröffentlichen schließlich ihren zusammenhängenden und eindringlich erzählten Bericht in einem amerikanischen Verlag.

Die Falange im Zwiespalt

Es ist wenige Wochen her, daß Tausende von Falangisten in den Straßen von Madrid ihrer Überzeugung Luft machten mit dem Ruf: „Falange ja, Opus Dei nein!“ Niemand war damals in der spanischen Hauptstadt darüber im Zweifel, daß die Falange die Fortführung der „Revolution“ beabsichtigt, die sie 1933 begonnen hatte.

Aus fremden Federn: Toter Buchstabe?

Cyrus C. Sulzberger schreibt in der New York Times, der deutsch-französische Vertrag sei weder so gut wie angepriesen noch so gefährlich wie behauptet.

Afrikanisches Bilderbuch

Man zögert, ein neues Afrikabuch zu lesen und gar zu empfehlen. Zu viel ist in den letzten Jahren über diesen Kontinent geschrieben und veröffentlicht worden.

Agrarpolitik mit Grundstückspreisen

Die Geschichte begann damit, daß die Stadt Neumünster nach Grund und Boden suchte, um ihren Friedhof zu erweitern, der für die wachsende Stadt zu klein geworden war.

,,Wenn schon SPD, dann Neuss”

Das Haus, in dem Kunst und Politik eine Mischehe eingegangen sind, steht am Lützowplatz, rings von Buddelstellen und Bauzäunen umgeben.

Kleopatra und ihre Folgen

In Hamburgs Spezialkino für historische Kolossalgemälde ist endlich Kleopatra angekommen, der Film, über dessen hindernisreiche Entstehung so viele Geschichten erzählt und verkauft wurden, daß die Geschichte von der Ägypterin neben der amerikanischen Kleopatra ganz verblaßte.

Diskussion in Leipzig

Das Befremden begann schon auf der freiheitlich-westlichen Seite. Ein Zollbeamter schrieb hurtig die Daten aller Personalausweise in sein Buch und sagte, als ihm die Antwort auf seine Frage nach dem Zweck unserer Reise zunächst vorenthalten wurde: „Wenn Sie mir das nicht sagen, kommen Sie hier gar nicht erst ’raus, das wissen Sie doch ganz genau!“ – Bürokratische Querelen dieser Art, die uns in der Bundesrepublik als unangenehme Überraschungen auffallen, erwartet man in der DDR wie eine Selbstverständlichkeit.

Ende des Schismas?

Das bedeutsamste Ereignis der Pilgerfahrt Papst Pauls VI. ins Heilige Land war seine Begegnung mit dem ökumenischen Patriarchen Athenagoras von Konstantinopel.

Namen der Woche

Walter Ulbricht, Staatsratsvorsitzender der DDR, leidet seit längerem an einer bösartigen Kehlkopfgeschwulst. Die Krankheit, die durch eine Behandlung in der Ostberliner Charité zunächst aufgehalten wurde, verschlimmerte sich in jüngster Zeit.

2 x Entspannungs-Offensive

Zwei Friedensoffensiven aus Ost und West kreuzten sich am Jahresbeginn. US-Präsident Johrson will keine außenpolitische Pause einlegen.

Neujahrs-Vorsätze

Präsident de Gaulle: „Zuallererst müssen wir die thermonukleare Aufrüstung vorantreiben, die allein die zureichende Macht verleiht, einer Aggressionsdrohung zu begegnen, und die allein uns die Unabhängigkeit geben wird.

Pilger im Düsenklipper

Paul VI. hat Geschichte gemacht: Als erster Nachfolger Petri kehrte er ins Heilige Land zurück, als erster Papst seit 150 Jahren reiste er über die Grenzen Italiens hinaus, als erster Papst bestieg er ein Flugzeug, als erster Papst seit 1439 sprach er mit dem geistlichen Oberhaupt der orthodoxen Kirche.

Abzug der Briten vom Rhein?

Die Unruhen auf Zypern und der Dschungelkrieg zwischen Malaysia und Indonesien drohen die NATO zu beeinträchtigen. Falls Großbritannien noch mehr Verstärkung über die Luftbrücke nach Nikosia und Singapur schicken muß, wird es Truppen aus Deutschland abziehen müssen.

Vendetta gegen einen Abt

Katalonien, der Nordwesten Spaniens, ist von Unruhe erfüllt. Gegen den Abt von Montserrat, einen freimütigen Kritiker des Franco-Regimes, wurden Todesdrohungen laut; das Heim eines Jugendklubs in Montserrat bei Barcelona ging in Flammen auf; die Polizei untersagte der Organisaton „Omnium Cultural“, die sich der katalonischen Literatur und Musik annahm, jede Tätigkeit.

Kinnhaken für Attentäter

Kwame Nkrumah, „lebenslänglicher“ Präsident des westafrikanischen Staates Ghana, verließ seinen Palast, um ins Auto zu steigen.

Boykott der Berliner Stadtbahn

Bei der Betrachtung eines Stadtplanes fallen zwischen den begrenzten Farben für bebaute Flächen und Parks verbundene Liniennetze auf, verschiedene für Magistralen, Oberflächenverkehr, Schnellbahnen über und unter der Erde.

Zum Lachen oder Weinen:

Wieder einmal Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“. Mir aber geht es nicht um einen Papst, sondern um einen Oberrabbiner. Nach der umstrittenen Aufführung des Stückes in Dänemark brachte „Die Welt“ Ende Dezember ein Gespräch mit dem dänischen Oberrabbiner Dr.

Der ungebrochene Revolutionär

Hindemilh ist nach Richard Strauss der international akkreditierte Repräsentant deutscher Gegenwartsmusik gewesen. Er war darüber hinaus eine Erscheinung von zunehmendem Seltenheitswert in unserer Zeit: nämlich eine Persönlichkeit hohen Ranges, deren innere Einheit sich kompromißlos gegenüber allen andersartigen Erwartungen, Ansprüchen und Zumutungen der wechselnden jeweiligen Kulturmodeströmungen behauptet hat.

Der Bach des 20. Jahrhunderts

Hindemith ist nicht mehr. Bald werden die Götter meiner Jugend alle dahingegangen sein. Als man – ein Pennäler – die ersten Antennen spannte, in den zwanziger Jahren, die in der Nachkritik nicht nur Ansehen, sondern auch Haut goût behalten haben, legte man die „Suite 1922“ leicht erreichbar dorthin ins Notenregal, wo bisher Bachs „Englische Suiten“ lagen.

Zeitmosaik

Die Nachrichtenagentur ADN veröffentlichte eine Bestsellerliste der 1963 in der DDR meistgekauften Bücher. Es waren „Nackt unter Wölfen“ von Bruno Apitz, „Das russische Wunder“ von Annelie und Andrew Thorndike, die „Abenteuer des Werner Holt“, 2.

Auch eine Art sich zu bedanken

So der Editor. Zwanzig Seiten „Analyse“, der Rest von etwa 350 Seiten „Beispiele“. Nun wird interessieren, was Hirschberg unter Analyse versteht.

Hans Mayers Büchertagebuch (1):: Wahrheit und Lüge der Tagebücher

Das literarische Tagebuch ist eine bedenkliche Gattung. Aber sind nicht die meisten der überlieferten Genres heute durch einen fatalen Hang gekennzeichnet, ästhetische Ehen mit „artfremden“ Gattungen eingehen zu wollen? Lyrische Dramen schrieb man bereits um die Jahrhundertwende; später kam das epische Theater auf; die Tragikomödie erschien plötzlich als Übergipfelung der einstmals streng getrennten Bereiche von Tragik und Komik; Hofmannsthal nannte den „Rosenkavalier“ eine „Komödie für Musik“, und von den dramatisierten Romanen der Weltliteratur, den Iwan Karamasow oder Lucien de Rubempre der Schaubühne, wollen wir gar nicht reden.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die neue, auf der Übertragung Reinhold Jachmanns fußende Textbearbeitung Gotthard de Beauclairs mit fünf ganzseitigen Originalradierungen von Felix Hoffmann, der sämtliche Exemplare der einmaligen, numerierten Auflage signierte.

Muskeln – stark gefragt

Unterscheidet man die so imponierenden Verbesserungen der sportlichen Höchstleistungen nach Schnelligkeit, Ausdauer und Kraft, so ist die Zunahme bei jenen Disziplinen, bei denen die Kraft eine entscheidende Rolle spielt, dort, wo Eisen zum Widerpart des Menschen wird, beim Gewichtheben und Kugelstoßen, am sensationellsten, wobei wir in unserer Betrachtung von den Wurfübungen einmal absehen.

Der Mann, der Ulbricht schlug

Es stand 3 : 3. Auf den Tribünen der Ostberliner Seelenbinderhalle schrien die SED-Claqueure wie besessen, jetzt war der politische Triumph ganz nahe, jetzt würde die sozialistische die kapitalistische Mannschaft schlagen, jetzt würde die DDR die Majorität in der gesamtdeutschen Olympiaauswahl bekommen, jetzt ein SED-Mann Chef de Mission werden, denn jetzt standen die „Westdeutschen“ mit nur vier Feldspielern auf dem Eis.

Wie wird man Schauspieler?

Private Scharlatane und arme Schauspielschulen sind verantwortlich für den Nachwuchs auf deutschen Bühnen

Der Deutsche Bauernverband

Bereits Ende 1945 wurde durch den damaligen Widerpart Konrad Adenauers in der CDU, den früheren Reichsminister Andreas Hermes – er starb vor wenigen Tagen im Alter von 85 Jahren –, der Grundstein zum heutigen Bauernverband gelegt.

Thyssen auf Platz drei

Hans-Günther Sohl hat sein Ziel erreicht: von Februar an wird der Vorstandsvorsitzende der August Thyssen-Hütte AG Chef des größten Stahlkonzerns in der Bundesrepublik sein.

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