Vor vier Jahren setzte mancher Autofachmann ein Fragezeichen hinter seine selbstbewußte Feststellung: „Wir gehen erst einmal auf die vierte Million zu und dann auf die fünfte.“ Um die Jahreswende, just wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag, konnte der ungekrönte König von Wolfsburg, VW-Generaldirektor Professor Dr. Ing. e.h. Heinrich Nordhoff, in ganzseitigen Zeitungsanzeigen vermelden: über sieben Millionen Volkswagen.

Zugegeben, es sind nicht alles VW 1200, die nunmehr 25 Jahre alte Porsche-Konstruktion. Der Transporter und der größere Bruder, VW 1500, sind hinzugekommen. Aber noch immer werden von dem „Käfer aus Wolfsburg“ 3500 Stück je Tag produziert – mehr als vor vier Jahren.

Aus den Trümmern des von der „Deutschen Arbeitsfront“ aus dem Boden gestampften Volkswagenwerkes schuf der Automobilbauer aus Leidenschaft das größte Automobilwerk Europas, das drittgrößte der Welt. Dabei war er, der Prototyp des modernen Managers, als Chef des umsatzstärksten deutschen Industrieunternehmens für die Bundesregierung keineswegs ein bequemer Partner.

Eine fast dramatische Episode ist für ihn kennzeichnend. Als im Frühjahr 1962 Professor Erhard, damals Wirtschaftsminister, mit starkem Druck versuchte, eine Preiserhöhung für den Volkswagen zu verhindern, blieb Nordhoff hart. Er müsse im Interesse seiner 70 000 Arbeiter und der Aktionäre für die Rentabilität und die wirtschaftliche Stabilität des Werkes sorgen, beharrte er. Es focht ihn wenig an, daß die Bundesregierung 20 Prozent des VW-Aktienkapitals im Portefeuille hat und damals wohl meinte, als Großaktionär stärker Einfluß nehmen zu können. Nordhoff nahm dann auch Zollsenkungen und Vorteile für die ausländische Konkurrenz in Kauf – und behielt recht. Denn dem Volkswagenwerk, den Arbeitern und den Hunderttausenden von Volksaktionären bekam seine Geschäftspolitik gut.

Und mit 65 Jahren nun etwa ein Pensionär? In Wolfsburg lächelt man über einen solch’ absurden Gedanken. s