In Übereinstimmung mit der meist freundlichen Börsentendenz an allen Börsenplätzen der Welt erzielten auch die englischen Aktien zu Beginn des neuen Jahres weitere Kursgewinne. Dabei sind die Besitzer englischer Aktien keineswegs in einer beneidenswerten Lage. Sie werden zwischen einem durchaus begründeten wirtschaftlichen Optimismus und dem „Schreckgespenst“ einer etwaigen Labour-Regierung hin und her gezerrt. Außerdem spielen Erwägungen eine Rolle, wie man sich am besten vor den sich wieder einmal stärker abzeichnenden Inflationsgefahren schützen soll. Die englischen Gewerkschaften haben Lohnforderungen angemeldet.

In Kreisen der City scheint man sich auf folgende Marschroute festlegen zu wollen: Sollte es im Jahre 1964 zu einer Labour-Regierung kommen, was ja nach Lage der Dinge mehr als wahrscheinlich ist, so wird zunächst einmal eine allgemeine Aktien-Baisse unvermeidlich sein. Die Kurse sollten sich aber bis zum Jahresende wieder an das heutige Niveau heranschieben, weil die Wirtschaft im Grunde gesund ist und gesund bleiben wird. Man nimmt auch nicht an, daß das neue Budget sofort einschneidende Änderungen bringen wird, allenfalls Steuererleichterungen.

Im übrigen rechnet man in nächster Zeit mit zahlreichen Sonderbewegungen. In der Brauerei- und Textilindustrie wird es zu. Fusionen und Übernahmen kommen. Aus der Automobilindustrie ist zu hören, daß 1963 1,6 Millionen Fahrzeuge hergestellt wurden (eine Million für den einheimischen Markt, 600 000 für das Ausland) gegenüber dem Rekordjahr 1960 mit 1,4 Millionen Einheiten. Die höhere Produktion wird sich auf die Gewinne auswirken. Der Boom – so rechnet man – wird bis zum Sommer andauern. Unternehmen wie Dunlop, J. Lucas, BMC, Jaguar, Rover und Automotive. Products werden ausgezeichnete Ergebnisse veröffentlichen. Sch.