Paul VI. hat Geschichte gemacht: Als erster Nachfolger Petri kehrte er ins Heilige Land zurück, als erster Papst seit 150 Jahren reiste er über die Grenzen Italiens hinaus, als erster Papst bestieg er ein Flugzeug, als erster Papst seit 1439 sprach er mit dem geistlichen Oberhaupt der orthodoxen Kirche.

Die Pilgerfahrt sollte allein der Ehre Christi dienen. Dennoch verfolgte die Politik den Papst auf Schritt und Tritt. In Rom verabschiedete ihn Staatspräsident Segni, in Amman schüttelte ihm der jordanische König Hussein die Hand, in Megiddo empfing ihn der israelische Staatspräsident Schazar. Zweimal mußte er die Demarkationslinie zwischen den Staaten Jordanien und Israel überschreiten, die noch im Kriegszustand sind.

Bei seinem Besuch der heiligen Stätten in Jerusalem, Nazareth, am See Genezareth und in Bethlehem wurde der Pilger aus Rom von Arabern und Israelis überschwenglich gefeiert. Protokoll und Sicherheitsketten wurden gesprengt, Polizeiknüppel mußten zuweilen der Begeisterung Grenzen setzen. Das Gedränge um den Papst war zeitweilig lebensgefährlich, doch niemand trat ihm feindlich entgegen. Fanatische Mitglieder der Moslembruderschaft in Jordanien saßen hinter Schloß und Riegel.

In 224 Telegrammen an Staatsoberhäupter und internationale Organisationen entsandte der Papst Friedensbotschaften. In Nazareth, wo viele Kommunisten wohnen, grüßte er „alle Arbeitenden der ganzen Welt“.

Am Mandelbaumtor in Jerusalem nahm Paul VI. Papst Pius XII. gegen den Vorwurf in Schutz, er habe während der nationalsozialistischen Zeit nicht genug für die verfolgten Juden getan.

In der Geburtskirche in Bethlehem verkündete der Papst der „gesamten Welt“ die Botschaft Christi. Sein besonderer Gruß galt den Angehörigen der islamischen und der jüdischen Religion. Die Verfolger des Katholizismus fragte er: „Warum, warum?“

Auf dem Ölberg in Jerusalem, wo Christus vor seiner Gefangennahme betete, traf sich Paul VI. zweimal mit dem Patriarchen Athenagoras. Der 66jährige Papst repräsentierte 500 Millionen Katholiken, der 77jährige Patriarch 250 Millionen Orthodoxe. Als der Abgesandte des Patriarchen den Papst in Rom zu einem Gespräch einlud, sagte er: „St. Peter und St. Andreas (der den ersten Patriarchen von Byzanz einsetzte) waren Brüder. Jahrhundertelang sprachen sie nicht miteinander. Jetzt wollen sie zusammen mit ihrem Meister gehen.“ Jetzt tauschten Papst und Patriarch den Friedenskuß. Im Vatikan heißt es, noch vor Beginn der dritten Konzilsphase im September werde ein Sekretariat Wege für eine Wiedervereinigung der West- und Ostkirche studieren.

Nach dem Konzil will der Papst auch in andere Erdteile fliegen. Er hat bereits eine Einladung nach Indien angenommen, wo im November der Eucharistische Weltkongreß zusammentritt. Er soll auch einen Besuch in Brasilien zugesagt haben. Aus Frankreich, den Philippinen und den USA liegen ebenfalls Einladungen vor.