Der kluge Mann, der auf sich hält, reist mit dem „Schroeder“ durch die Welt – das einfältige Sprüchlein des Kurt Schroeder-Verlages in Bonn darf man zumindest in einem Falle mit äußerstem Vergnügen in Kauf nehmen. Dieser Fall ist der Reiseführer „Cypern“ (168 S., Photos, Karten, Skizzen; 10,80 Mark) von Joseph Koenig, einem Manne von gründlichem Wissen und gewandter Feder. Er weiß sehr genau, wonach der des Landes Unkundige lechzt, was zu erfahren ihn gelüstet; er weiß, daß die Landschaft durch blumige Schilderungen meist verdorben wird und daß der Reisende zu lesen begehrt, was ganz allgemein unter „Land und Leute“ rubriziert wird: Aufklärung über Geschichte, Bevölkerung, Sprache, Religion, soziale Situation, Verfassung und so weiter. Das ist hier knapp, korrekt und fesselnd dargestellt. Man findet präzise „Ratschläge und Hinweise“ über so wichtige Dinge wie Zoll, Papiere, Kleidung, Verkehr und Hotels und unschätzbare „allgemeine praktische Winke“. Solchermaßen informiert, kann man sich aufmachen, „kreuz und quer durch die Insel“ zu reisen. Am Rande: Der Autor, weiland Journalist, ist Botschafter der Bundesrepublik in Nicosia.

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Afrika, es ist nicht mehr zu übersehen, wird immer deutlicher ein Land, in das man verreist. In vielen Fällen sind Fauna und Flora die Motive für solche Unternehmungen. Für den, der sich dabei nicht erst in Naturparks und Wildreservaten überraschen lassen will, gibt es nun ein Buch, das ihn – vorher oder unterwegs – mit wissenschaftlicher Genauigkeit und lebendig informiert: Franz A. Roedelberger und Vera I. Groschoff sind die Verfasser der Belauschten Wildnis“ (Safari-Verlag, Berlin; 224 S., 24,80 Mark). Die Qualität dieses ebenso anregenden wie aufregenden Bilderbuches beruht auf zwei Vorzügen: die 250 (zum Teil farbigen) Photos sind durchweg hervorragend; die sie kommentierenden Texte sind mit Leidenschaft geschrieben. Das Buch unterhält, bildet und provoziert.

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Camping, das Kampieren im Freien unter dünnen Stoffbahnen, ist beliebter als je zuvor – jedenfalls ist es noch so. Jedes Buch, das sich seinen Anhängern als nützliches Reise-Utensil anbietet, hat deshalb auch die Chance, beachtet zu werden – vor allem dann, wenn es sich in hübscher Aufmachung darbietet und einen Mann zum Verfasser hat, der im wörtlichen Sinne erfahren ist: Hans Eberhard Friedrich. Er beschreibt unter dem Titel „Campingurlaub im Süden“ die „schönsten Campingreisen nach Italien, Südfrankreich, Spanien, Portugal, Jugoslawien und Griechenland“ (Gräfe und Unzer-Verlag, München; 344 S., viele Photos und Karten; 29 Mark). Auch wenn derjenige, der genaue Auskünfte haben möchte, trotzdem nicht ohne „normalen“ Reiseführer auskommt – mancherlei spricht für dieses Buch: Es ist übersichtlich geordnet, die Fahrtrouten sind trefflich ausgewählt (und berühren auch weniger bekannte Gegenden), es fehlt nicht an praktischen Angaben. Leider ist alles, was in diesem Buch beschrieben wird, ein bißchen zu „schön“, zu „herrlich“, zu „unglaublich“ (schön), als daß man es zu glauben vermöchte, und die Superlativ-Seligkeit wird lästig, wenn nämlich nicht nur ein Dom „einer der schönsten in Italien“, nicht nur einer „einzig dastehend“ ist. Und was gewinnt der Leser, wenn er über eine Stadt liest: „... mit reizender Altstadt und eleganter Neustadt.“ Das sagt zum Beispiel über Bordighera gar nichts. Man hat das Gefühl, das Buch’ ist mit zuviel Routine und zuwenig Gedanken hergestellt worden.

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Lebendig und offenbar auch sehr objektiv hat Jörgen Bitsch seine Reisereportage über die unbekannte Mongolei geschrieben: „Zwischen China und Sibirien“. Sie nimmt auf Anhieb für sich ein, weil sie einen unerwartet plastischen Eindruck von diesem Land gibt, das fürs erste freilich kaum als „Reiseland“ von sich reden machen wird und das trotz Molotow und Ulan Bator bis heute weithin unbekannt geblieben ist. Bitsch erzählt von seinen beiden ungewöhnlichen Reisen, von seinen Besuchen bei Familien, in Fabriken, in Tempeln, und er rückt manches zurecht, was „man“ sich bisher so unter dem Lande Dschingis Khans vorgestellt hatte. Die farbigen Bilder ergänzen den Band sehr gut (Ullstein-Verlag, Berlin; 188 S., 22,80 Mark). sa.