Katalonien, der Nordwesten Spaniens, ist von Unruhe erfüllt. Gegen den Abt von Montserrat, einen freimütigen Kritiker des Franco-Regimes, wurden Todesdrohungen laut; das Heim eines Jugendklubs in Montserrat bei Barcelona ging in Flammen auf; die Polizei untersagte der Organisaton „Omnium Cultural“, die sich der katalonischen Literatur und Musik annahm, jede Tätigkeit.

Viele Katalanen sehen in diesen Vorfällen eine Vergeltung für die Kritik, die der Benediktinerabt des Klosters Montserrat – ein weltberühmtes Zentrum der Bibelforschung – Dom Aureli Maria de Escarré, jüngst in der französischen Zeitung „Le Monde“ veröffentlichte. „Wo keine Freiheit ist, gibt es keine Gerechtigkeit, und das ist der Fall in Spanien“, schrieb der Abt. „Das Volk muß seine Regierung wählen und nach Wunsch auswechseln können. Es muß Pressefreiheit geben. Als Ganzes sind unsere politischen Führer keine Christen.“

Noch etwa vier Millionen Menschen sprechen katalanisch, die alte Schwestersprache des Provenzalischen. Aber weder in den Schulen noch in der Presse ist Katalanisch erlaubt, nur die Priester kümmern sich nicht um dieses Verbot. Vor einigen Jahren verbot Madrid die Sardana, den traditionellen Volkstanz. Die Katalanen klagen über den Druck der Zentralverwaltung. Sie beanspruchen größere Autonomie, da sie nach ihrer Ansicht den Löwenanteil zum Reichtum Spaniens beisteuern.

Der Abt von Montserrat, Hauptsprecher der Opposition, genießt eine einzigartige Stellung. Als Benediktiner untersteht er nicht den spanischen Bischöfen, sondern Rom. Von einem Besuch im Vatikan kehrte er unangefochten zurück.