M. K., Zürich

Der Schweizer Franken gilt seit Jahrzehnten als „harte Währung“. Selbst in den dreißiger Jahren hat die Inflation nicht auf die Schweiz übergegriffen; jetzt sehen sich auch die Schweizer dem Gespenst der Inflation gegenübergestellt. Hatte man vor zehn Jahren eine schleichende Geldentwertung um 1 bis 1,5 Prozent pro Jahr festgestellt, kam es seit 1960 zu einer Geldentwertung um je etwa 4 Prozent, insgesamt bisher also um nicht weniger als 12 Prozent; mit Recht spricht man von einer bereits „trabenden Inflation“.

Als Gründe für diese Entwicklung werden verschiedene Faktoren genannt. Einmal die „importierte Inflation“ als Folge ausländischer Geldentwertungen und der Andrang von Auslandsgeldern zum sicheren Hort der Eidgenossenschaft; sodann aber auch die „selbst gemachte Inflation“ infolge einer krassen Anspannung auf dem Arbeitsmarkt, der Verkürzung der Arbeitszeit, starker Ausgaben der öffentlichen Hand – zur Zeit wieder durch eine Rentenerhöhung der öffentlichen Altersversicherung um ein Drittel ohne entsprechende Mehreinnahmen – und insbesondere der Überspannung des Baumarktes, wo die Steigerung der Bodenpreise zum Spitzenreiter der Inflation geworden ist.

Mit etwa 800 000 Fremdarbeitern ist jeder Dritte unter den Erwerbstätigen Ausländer, was ein bisher noch nie erreichtes Höchstmaß darstellt, während die Qualität der neu angeworbenen Fremdarbeiter merklich gesunken ist.

Die Banken sind bisher durch ein sogenanntes „Gentlemen’s Agreement“ zur Abwehr und Verminderung ausländischer Gelder darum bemüht gewesen, solche Auslandsgelder wenigstens so weit als möglich vom schweizerischen Markt fernzuhalten. Sie haben sich erst kürzlich dazu verpflichtet, durch Kreditrestriktionen auch der Überspannung auf dem Baumarkt entgegenzutreten. Freiwillige Koordination in der öffentlichen Konjunkturpolitik bleibt indessen weitgehend erfolglos, so daß sich der Schweizer Bundesrat nun dazu entschlossen hat, dem Parlament einen dringlichen Beschluß zur Konjunkturdämpfung zu unterbreiten.

Dieser Beschluß soll folgende vier Punkte enthalten: Neutralisierung der ausländischen Geldzuflüsse insbesondere durch die Einführung von Mindestreserven in einem neuen Nationalbankgesetz, Erstellung einer verbindlichen Rangordnung auf dem Baumarkt, Festsetzung einer Obergrenze für Fremdarbeiter und Eingliederung der Lohn- und Subventionspolitik der öffentlichen Hand in die Konjunkturpolitik.

Es könnte sein, daß demnächst auch das Tabu einer Aufwertung des Schweizer Frankens zur Diskussion gestellt wird, ein Vorhaben, dem allerdings die Exportindustrie aus verständlichen Gründen und angesichts der EWG-Schwierigkeiten erbitterten Widerstand entgegensetzt. Als die DM aufgewertet wurde, ist der richtige Augenblick für die Aufwertung des Schweizer Frankens anscheinend verpaßt worden.