Die Aktionäre der Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Köln, die für Dienstag der nächsten Woche zur Hauptversammlung ihres Unternehmens in die Domstadt am Rhein geladen sind, dürfen mit dem, was ihnen die Verwaltung des Konzerns zu bieten hat, gründlich zufrieden sein. Die Anteilseigner erhalten nicht nur eine ansehnliche Dividende, sondern es wird ihnen auch ein Rechenschaftsbericht vorgelegt, zu dem sie die Unternehmensführung mit Fug und Recht beglückwünschen dürfen. Die Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KDH) hat im vergangenen Jahr glänzend abgeschnitten; die durchaus nicht überall erfreuliche Bilanzsaison 1963 erhält mit diesem Abschluß immerhin ein strahlendes Schlußlicht.

Den Aktionären blüht hier sogar eine mehrfache Freude: Einmal wird die 14prozentige Vorjahrsdividende durch einen Jubiläumsbonus von 2 Prozent aufgebessert; zum anderen aber erhalten sie eine überaus günstige Möglichkeit, sich an einer Kapitalerhöhung – um 22 auf 132 Millionen DM – zu beteiligen, die zudem noch zur Hälfte in Form von Gratisaktien vorgenommen werden soll. Um 11 Millionen DM also wird das Deutzer Unternehmen sein Kapital aus Gesellschaftsmitteln im Verhältnis 10 : 1 aufstocken, und um weitere 11 Millionen ist eine „echte“ Kapitalerhöhung vorgesehen, mit der die Klöckner-Aktionäre bei einem Bezugskurs von 150 Prozent und einem Verhältnis von ebenfalls 10 : 1 nicht schlecht abschneiden. Zudem sind die jungen Aktien bereits für das laufende Geschäftsjahr voll dividendenberechtigt.

Aber das Repertoire an guten Nachrichten ist damit bei der Deutzer Klöckner-Gruppe noch keineswegs erschöpft. Die glatte Verdoppelung des Jahresüberschusses – von 15,6 auf 30 Millionen DM – erfüllt auch dem Unternehmen selbst einige Wünsche. Die Rücklagendotierung in Höhe von 12,1 Millionen DM – im Vorjahr wurde nichts „offen“ zurückgelegt – kann sich wahrhaftig sehen lassen, zumal in einem Jahr, das bei einer Vielzahl von Industrieunternehmen eher eine Inanspruchnahme denn eine Auffüllung der Reserven gebracht hat. Überhaupt kommt der Glanz des Erfolges bei Klöckner-Humboldt-Deutz erst voll zur Geltung, wenn man ihn vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sieht. Der spürbare Rückgang der Konjunktur in weiten Bereichen der Industrie läßt die Zuwachsraten der Deutzer Gruppe besonders eindrucksvoll erscheinen, zumal trotz des anerkannt scharfen internationalen Wettbewerbs, dem auch die KHD-Erzeugnisse ausgesetzt sind, eine auffallende Ertragsverbesserung erzielt werden konnte.

Mit einer Zuwachsrate von 12,4 Prozent erreicht die Gesellschaft im Berichtsjahr ein Umsatzvolumen von 1,52 (1,35) Milliarden DM. Das Inlandsgeschäft allein verzeichnete eine Steigerung um 17 Prozent; damit hat Klöckner-Humboldt die fühlbar ruhiger gewordene Nachfrage auf den Auslandsmärkten gut kompensieren können. Nach den hohen Zuwachsraten der vergangenen Jahre beschränkte sich im vergangenen Geschäftsjahr der Anstieg des Auslandsumsatzes auf 4 Prozent. Der Exportanteil am Gesamtumsatz des Unternehmens ging allerdings zurück. Er betrug noch 32 nach 35 Prozent im Vorjahr.

Mit dieser Umsatzsteigerung war zwangsläufig eine gute Auslastung der Fertigungskapazitäten in allen Werken des Konzerns verbunden. Das ist mit ein Grund dafür, daß sich die Geschäftsausweitung auch auf dem Ertragskonto niedergeschlagen hat. Im wesentlichen aber dürfte sich die zielstrebige Kostenkontrolle der Unternehmensführung als erfolgreich erwiesen haben. Vorstandsvorsitzer Dr. Ing. e.h. Heinrich Jakopp konnte in der Bilanzbesprechung mit der Presse stolz darauf hinweisen, daß die Umsatzausweitung bei etwa gleichgebliebenen Kosten erreicht wurde. Das ist ganz beachtlich; denn der allgemeine Trend zu höheren Arbeitskosten ist auch bei dem Kölner Konzern nicht zu übersehen. Die Personalkosten einschließlich sozialer Aufwendungen stiegen – bei einer etwa gleichgebliebenen Belegschaftsstärke – im Berichtsjahr auf 348 (326) Millionen DM. Daß die Steuern vom Einkommen, Ertrag und Vermögen ganz erheblich über dem Vorjahrssatz liegen – sie stiegen auf 47 nach 30 Millionen Mark – ‚ ist angesichts der anderen Zahlen aus der Ertragsrechnung des Unternehmens keineswegs überraschend und nur ein weiteres Indiz dafür, daß Klöckner-Humboldt-Deutz zu den – durchaus nicht unverdienten – Glücklichen des vergangenen Jahres gehört.

Auch das neue Geschäftsjahr kommt in den Erwartungen der Deutzer Verwaltung nicht schlecht weg. In der Pressekonferenz betonte Generaldirektor Jakopp, daß das Geschäftsjahr 1963/64 wohl wieder ein „ähnliches“ Ergebnis bringen werde wie das Berichtsjahr. Diese Worte dürften gerade bei den Aktionären auf ganz besonderes Interesse stoßen, da ja schon im laufenden Jahr die Verzinsung eines erhöhten Kapitals zur Debatte stehen wird. Aber man wird wohl davon ausgehen dürfen, daß sich die Verwaltung etwas dabei gedacht hat, wenn sie die jungen Aktien für das Jahr 1963/64 voll gewinnberechtigt ausstattet...

Wesentliche Verlagerungen innerhalb des vielseitigen Erzeugungsprogramms der Gesellschaft haben sich im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht ergeben. Die stärkste Säule des Unternehmens ist mit einem Umsatzanteil von rund 35 Prozent der Motorenbau; danach rangiert mit einem Anteil von 34 Prozent der Lastwagenbau. Auf Traktoren entfielen 20 Prozent des KHD-Umsatzes, auf das Industrieanlagengeschäft 8 Prozent und auf Schienenfahrzeuge 6 Prozent. Die beiden Sparten Strahltriebwerke und Spezialfahrzeuge bestritten zusammen 15 Prozent des Konzerngeschäftes. Ingrid Neumann