Kennedy und die Deutschen

Klaus Harpprecht stellt in einem nachdenklichen Artikel im „Monat“ (Nr. 184) die Frage, ob John Kennedy schließlich den Erfolg mehr geliebt habe als der Erfolg ihn. „Ließ er sich darum immer wieder den Film von seiner Reise nach Deutschland, vor allem die Szenen vom Einzug in Berlin, vorzeigen, brauchte er den Nachklang unseres Jubels wie eine Droge, die ihn über Enttäuschungen und Niederlagen hinwegsehen ließ?“ Der rauschhafte Applaus, so meint Harpprecht, sei für ihn die glaubhafte Erfahrung einer vollkommenen Übereinstimmung mit der Umwelt gewesen, ob man den Akkord um als geträumt oder als wirklich betrachte. ‚Seine eigenen Landsleute haben ihm diese Er-Fahrung vorenthalten – obwohl auch sie ihn mit Sympathie zu verwöhnen wußten. Die Amerikaner wurden im Schmerz um den Toten von den Deutschen fast übertroffen. Aufmerksam schaute man zu uns herüber, auf die brennenden Kerzen in den Fenstern Berlins, dankbar für unsere wache Trauer und unser Mitleid und doch erstaunt über die Leidenschaft, mit der sich die Deutschen den einen Mann, den fremden Präsidenten, zu eigen gemacht haben, im Jubel und im Schmerz verführend und verführt zugleich.“

Vor zwei Jahren

Hans Fleig erinnert in der „Zürcher Woche“ (Nr. 1) an die Lage in Berlin nach dem 13. August 1961. Zunächst bestand in der DDR gar keine Absicht, die Westberliner am Betreten Ostberlins zu hindern. Die DDR verlangte nur, daß ein Passierschein ausgefüllt werde. Sie errichtete in den Fahrkartenschaltern der S-Bahnhöfe Zoo und Westkreuz zwei Zweigstellen des „Deutschen Reisebüros der DDR in Westberlin“, in denen Passierscheine ausgegeben wurden. Fünfeinhalb Stunden später wurden diese Stellen auf Grund eines alliierten Befehls – der von Bonn verlangt worden war – durch die Westberliner Polizei geschlossen. Als Begründung wurde angegeben, das Zonenregime dürfe auf Westberliner Boden keine Hoheitsakte ausüben. Fleig hält daran fest, daß Ostberlin die Hauptlast der Verantwortung für alle Unmenschlichkeiten trage, die sich seit dem 13. August 1961 an der Mauer ereignet hätten. Für die Tatsache aber, daß die Westberliner kaum nach Ostberlin könnten, trage Bonn die Hauptverantwortung.