Inzwischen, mein Lieber, bin ich ganz und gar mit dem Leben hier verschmolzen. Es geht mir gesundheitlich glänzend, auch finanziell bin ich in angenehmer Kondition.

Vierzehn Tage lang habe ich bei einem Tierarzt famuliert, der in einem nagelneuen Vorort, den man das Millionärsdorf nennt, eine Pudelpraxis eröffnet hat.

Merkwürdigerweise weiß hier fast niemand, daß der Pudel ein Jagdhund ist, der zuletzt zur Zeit Ludwigs des Vierzehnten in Mode war; jedenfalls, als ich das neulich einer Dame – oder sollte ich sagen: Patientin? – erzählte, blickte sie mich an, als hätte ich ihr beizubringen versucht, auch Chruschtschow gehöre ja eigentlich zur Gattung homo sapiens.

Derselben Dame – eigentlich ihrem Pudel – verdanke ich mein jetziges Quartier: eine (nach hiesigem Geschmack) komfortabel eingerichtete Villa mit schätzungsweise fünfzehn Zimmern (alle habe ich sie bisher weder gezählt noch erkundet), Ölheizung, Fernsehapparat, drei Badezimmern, einem Massageraum, automatischer Waschmaschine (wozu letztere ist mir unklar, denn die Wäsche wird ausgegeben), eine Jazz-Diskothek, um die du mich beneiden würdest.

Wenn ich nun noch hinzufüge, daß außerdem täglich eine Zugehfrau kommt und daß ich täglich zehn Mark Honorar bekomme, wirst du erstaunt fragen „wofür?“ und mich gigolistischer oder gar zuhälterischer Neigungen verdächtigen.

Nein, meine Gegenleistung besteht darin, einen Pudel zu betreuen and zu beobachten, der auf den merkwürdigen Namen „Twen“ hört (frag mich nicht, was ich mich auch frage: wie jemand einen Hund mit einem Begriff benennen kann, den die Textilindustrie hat erfinden lassen, um ihre Hosen loszuwerden).

Das ursprünglich einmal ganz hübsche Tier ist der Leberzirrhose – verdächtig, verfettet, verwöhnt, versnobt, hat seine Intelligenz wie seinen Instinkt verloren.