Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonnabend, 11. Januar, das Hörspiel:

Es ist im allgemeinen vom Übel, wenn Literatur durch die Biographie ihres Autors interessant und durch sie aus dem künstlichen (künstlerischen) Licht ins natürliche gerückt wird. Eine literarische Arbeit kann nicht besser oder schlechter sein, als sie ist, weil der Leser (oder Hörer) erfährt, daß der Autor krank oder gesund, schwarz oder weiß, unbestraft oder kriminell ist.

Es sei dennoch erwähnt, daß Wolfgang Graetz ein Mann ist, der viele Jahre in Gefängnissen verbrachte und der wahrscheinlich nur dadurch auf das Schreiben kam. Denn sein ständiges Thema – der isolierte Eine, der einer an ihm vorbeilebenden und vorbeiurteilenden Gesellschaft gegenübersteht – ist sein eigenes Unglück. Dieses Thema variiert er in seinen Hörspielen. (Er schrieb früher „Urlaub aus Burstadt“ und „Der große Bruder“).

„Der Simulant“, seine neue Arbeit, wieder einmal im Gefängnis geschrieben, basiert auf einem guten Einfall: Zum Zwecke wissenschaftlicher Untersuchung wird eine Simulation, das heißt eine wirklichkeitsgetreue Nachahmung, veranstaltet, die zeigen soll, wie Menschen eine Atomkatastrophe überleben könnten. Ein Mann wird tief unter der Erde in einem Bunker mit Komfort isoliert. Ein Mikrophon, durch das der experimentierende Arzt oben ihn hören kann, verbindet den Simulanten mit der Welt, aber er selbst hört und sieht nichts, außer seiner Klause.