Der Auftrag des Generals – Kümmern Sie sich um die Affäre Schneider! – kam dem französischen Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing sehr gelegen. Er konnte so eine Familienangelegenheit sehr gut mit der Sorge um das Wohl des französischen Staates verbinden. De Gaulle ist besorgt, daß der Schneider-Konzern, der für Frankreich etwa so viel bedeutet wie Krupp für Deutschland, unter ausländischen Einfluß gerät. Des Ministers eigenes Interesse liegt nicht nur in einem kleinen Aktienpaket des Unternehmens, er ist auch mit einer Großnichte Eugène Schneiders (dem Enkel des Firmengründers) verheiratet.

Seit Monaten versucht Giscard d’Estaing nun, eine Lösung zu finden, die es heute und für die Zukunft verhindern soll, daß die alte Waffenschmiede Frankreichs vom Ausland her gesteuert werden könnte.

Die Affäre Schneider kam ins Rollen, als bekannt wurde, daß der belgische Industriemagnat, Baron Edouard François Empain, ein größeres Aktienpaket des Konzerns (etwa 20 Prozent) in seinen Besitz gebracht hat. Dem General scheint dies bedenklich; denn seit in den letzten Jahren vor allem die Amerikaner sich stärker in die französische Wirtschaft eingekauft haben, ist er von einem tiefen Mißtrauen gegen ausländische Investitionen erfüllt.

Die Alarmglocke wurde geläutet, als es der amerikanischen Automobilfirma Chrysler vor rund eineinhalb Jahren gelang, über 60 Prozent der Aktien des französischen Automobilproduzenten SIMCA aufzukaufen. Es war ein Fall von Hunderten: Seit 1958, seit dem Inkrafttreten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, haben, wie die französische Zeitung Le Monde meldet, mehr als 300 amerikanische Unternehmen in Frankreich Tochtergesellschaften gegründet oder Beteiligungen erworben.

Motor dieser Entwicklung, die dazu geführt hat, daß heute 4,6 Milliarden Dollar ausländisches Kapital in der französischen Wirtschaft investiert sind, ist der Gemeinsame Markt. Die Amerikaner und, solange sie nicht EWG-Mitglied sind, auch die Briten sind begierig, einen Stützpunkt auf dem Kontinent zu haben. Allein aus diesen beiden Ländern sind 2,5 Milliarden Dollar nach Frankreich geflossen.

Als beispielsweise jetzt das französische Elektronik-Unternehmen Machines Bull dringend Kapital benötigte, zeigte sich General Electric bereit, in die Bresche zu springen und bei einer Kapitalerhöhung eine zwanzigprozentige Beteiligung zu erwerben. Noch ist nicht entschieden, was die Regierung zu dem Plan sagt.

Den General de Gaulle bedrängen bei diesen Transaktionen zwei Ängste: Einmal gibt der Zufluß ausländischen Kapitals den inflationären Tendenzen Auftrieb. Zum anderen befürchtet er, daß die Ausländer in einigen Jahren ihr Kapital wieder zurückziehen und damit die französische Zahlungsbilanz und die Wirtschaft in Unordnung bringen könnten.