Das war das erste Bild: Ein freundlicher Herr winkt, lächelnd und grazil, von der Flugzeugtreppe herab. Photographen halten die Kameras hoch; das Protokoll erweist seine Ehre; Gummi kauende Hünen, eine Faust als Gesicht, sehen trotzig in die Linsen hinein. Ihre Mienen verraten, es wird nichts geschehen, wir sind auf der Hut. Aber nicht nur die Wächter, auch viele der Zuschauer blicken ein wenig gelangweilt drein. Das rollende, von tausend kleinen Explosionen angetriebene Französisch des freundlichen Herrn scheint ihnen unverständlich zu sein. Einige lächeln mokant, andere reichen ihrem Nachbarn das Opernglas. So schaut er aus. Ehrengäste und jubelndes Volk sind weit voneinander getrennt; nur die gemeinsame Neugier vermittelt zwischen Etikette und Enthusiasmus.

Da war das andere Bild: Der freundliche Herr, der eben noch, in Geste und Manier, wie ein Potentat, Präsident oder Manager ausgesehen hatte, schien plötzlich verwandelt zu sein. Cadillacs und Boeings, Kameras und Kaugummimänner waren vergessen, als der Papst in den Kirchen zu sprechen begann. Mochte man sich die liturgischen Gewänder leicht durch Cowboyhut, Generalskäppi oder Zigarre, die segnenden Hände durch Konfettiarme ersetzt denken ... im Augenblick der Predigt zeigten sich hinter der Fassade dieser fromm-geschäftigen Schau (Thorwaldsen im Jahrhundert der Automation) die wahren Konturen, und es wurden Worte geprägt, die zu formulieren kein Staatsmann in der Lage wäre: Christus als Konfrater der Arbeiter allüberall: die Rückkehr nach Golgatha als Weg eines Verbrechers, den es an den Ort seiner Sünde zurückzieht ... welchen Glanz gewannen hier, in einer Metaphorik von beinahe erschreckender Kühnheit, die um und um gewendeten Worte.

Und da war noch ein drittes, nie gezeigtes, aber immer mitgedachtes Bild: Während die Kolonnen, schwarze Särge, Motorradeskorten und Fernsehwagen, das Land am Jordan durchbrausten, während die Menschen winkten und knipsten, während man die Hände schüttelte und in sightseeing machte, während die pinguingleich aufgereihten Nonnen knicksten und Juden oder Mohammedaner ihren Respekt bezeugten, gewann eine andere Gestalt an Kontur: ein dreißigjähriger Mann, der auf einem Füllen in Jerusalem ein ritt, im Angesicht der Mauern zu klagen anfing und die Stadt, von Verfolgung bedroht, in den Nächten verließ.

Die drei Bilder zusammen: „Unsere Zeit ist bemessen“, sagte der Papst, und das war kein Zitat, das Flugzeug erwartete ihn, vom Ölberg nach Rom ist es heute nicht weit. Momos