Telefunken-Computer für die Technische Hochschule in Delft – Ein Automat korrigiert die Fehler seines Herrn – Drei Millionen Operationen in der Minute/ Von Robert Gerwin

Wohl kaum eine andere Stadt Hollands wird so sehr mit der niederländischen Romantik identifiziert wie das zwischen Rotterdam und Den Haag gelegene Delft. Doch wer in Delft einmal die ausgetretenen Touristenpfade verläßt und in den Ostteil der Stadt geht, der merkt sehr schnell, daß Delft weit davon entfernt ist, nur der Erinnerung an seine große Vergangenheit nachzuhängen.

Hier entstand in den letzten Jahren ein Hochschulkomplex, der mir seinen modernen Instituten und vorbildlichen Ausbildungsstätten für europäische Verhältnisse beispielhaft ist. Seit 1939 hat sich an der Technischen Hochschule in Delft die Zahl der Studenten verdreifacht. Sie überschreitet bereits 7500, und im vorigen Jahr ist erneut ein Fünfjahresbauprogramm angelaufen: mit einem Investitionsaufwand von 300 Millionen Gulden – 332 Millionen DM – sollen Ausbildungsplätze für weitere 2500 Studenten geschaffen werden. Hier findet man hochmoderne luftfahrttechnische Forschungsinstitute mit einem Überschallwindkanal, und es fehlt auch nicht ein Kernreaktor für die Atomforschung. So ist es auch sicher kein Zufall, daß die ESRO, die voraussichtlich von zehn europäischen Ländern getragene europäische Organisation für Weltraumforschung, ausgerechnet hier ihr großes technischwissenschaftliches Entwicklungszentrum errichtet.

Natürlich kann man in einem solchen Rahmen nicht auf die Hilfe einer modernen elektronischen Großrechenanlage verzichten, und so wird denn in diesen Tagen im Rechenzentrum der Technischen Hochschule Delft ein Telefunkenrechner „TR 4“ seinen Bestimmungen übergeben. Er ersetzt einen englischen Elektronenrechner aus dem Jahr 1958, dessen Rechenwerk noch aus Elektronenröhren aufgebaut ist und dessen Gedächtnis im wesentlichen von einer rotierenden Magnettrommel gebildet wird. Der TR 4 dagegen ist vollständig transistorisiert, also in seinen informationsverarbeitenden Baugruppen aus Transistoren aufgebaut.

Tausendmal schneller

Der Speicher, in dem er die zu verarbeitenden Informationen bereitstellt oder halbfertige Rechenergebnisse vorübergehend ablegt, besteht aus sehr vielen kleinen Ringen eines magnetischen Materials, das zwei verschiedene Magnetisierungsrichtungen einnehmen kann und sich auf diese Weise Zahlen und andere Informationen merkt. Resultat dieser und einiger weiterer technischen Fortschritte: der TR 4 arbeitet rund tausendmal schneller als der etwa fünf Jahre ältere englische Magnettrommelrechner. Dabei ist der Stromverbrauch des TR 4 noch etwas kleiner.

Die vom TR 4 für eine Rechenoperation im Mittel benötigte Zeit wird mit 20 Mikrosekunden angegeben. Das entspricht 50 000 Einzelrechnungen pro Sekunde beziehungsweise 3 Millionen Operationen pro Minute. Die elementaren Schritte solcher Rechenoperationen benötigen sogar nur eine halbe Mikrosekunde, entsprechend 2 Millionen elementaren Rechenschritten pro Sekunde.