„Tatis Schützenfest“ (Frankreich; Verleih: Atlas): Der große französische Filmkomiker Jacques Tati drehte seinen ersten Spielfilm,„Jour de fête“, vor nunmehr schon fünfzehn Jahren; unter dem Titel „Tempo-Tempo“ wurde er damals auch in Deutschland aufgeführt. Nach den „Ferien des Monsieur Hulot“ und „Mein Onkel“ hat sich Tati jetzt wieder seines Debütfilms entsonnen und ihn mit nicht unerheblichen Kosten neu bearbeitet.

In komplizierter Tüftelarbeit stattete er einzelne Sequenzen seines Films (der ursprünglich farbig gedreht werden sollte) mit einer nachträglichen Kolorierung aus – hier läßt er eine Fahne, dort einen Luftballon bunt aufleuchten (auch kopierte er den ganzen Film auf neues Material um, das den ursprünglich schwarzweißen Bildern nun eine bläuliche oder bräunliche Schattierung gibt). Worauf es Tati freilich mit diesen Farbeffekten und mit einer hinzuerfundenen Rahmengeschichte eigentlich abgesehen hat, bleibt schwer auszumachen. Der Kern des Films ist jedoch im wesentlichen der von früher geblieben, und er allein ist schon außerordentlich genug.

In einem kleinen französischen Dorf wird mit großer Umständlichkeit ein Fest vorbereitet; inmitten des Trubels spielt Tati den unschuldignaiven, aber mit einer Art Bauernschläue begabten radelnden Briefträger François, der überall mit Hand anlegt und sich sogar bemüht, das Hexentempo amerikanischer Postzustellung, das er in einem Film kennenlernte, in seinem Amtsbereich einzuführen. In der Gestalt dieses Briefträgers schuf Tati eine unverwechselbare komische Figur, die er in seinen späteren Filmen weiterentwickelte – eine Figur, die die freundliche Zurückgebliebenheit des einfachen Lebens repräsentiert, die in komische Verwicklungen mit der Umwelt gerät, aus denen sie jedoch überraschende Auswege findet. So ausgeklügelt die einzelnen Gags in Tatis Film auch sind, so viel steckt doch zugleich an realistischer Beobachtung in ihnen, und diese Doppelbödigkeit des Witzes gibt dem Film seine besondere Frische.

Tatis Komik ist weitgehend pantomimischer Natur, das Wort spielt eine geringe Rolle, grg